Interview zu Feuer

Interviewer: Herr Wolf, wenn Romane verfilmt werden, gibt es oft scharfe Konflikte zwischen den Autoren des Buches und den Regisseuren und Filmleuten. Denken wir nur an »Die unendliche Geschichte«. Wie war das bei der Verfilmung Ihres Jugendromans, »Feuerball«?

Klaus-Peter Wolf: Ganz anders. Ich habe mir Maria Knilli als Regisseurin gewünscht. Sie hat sich sehr sensibel in den Stoff eingearbeitet. Manchmal haben wir Stunden über eine Bewegung oder ein Handlungsmotiv diskutiert. Warum tut die Person gerade jetzt das? Warum macht sie das so und nicht anders? Was denkt sie dabei? Was filmt sie dabei? Was gibt sie von sich preis, und was verschweigt sie bewusst? Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Was man auch daran sieht, dass ich Maria ein neues Drehbuch angeboten habe.

Interviewer: Wie muß man sich die Zusammenarbeit zwischen Schriftsteller und Filmleuten überhaupt vorstellen?

Klaus-Peter Wolf: Nun, zuerst suche ich für meine Stoffe Geldgeber. Also Sender oder Produzenten. Mit denen gemeinsam suche ich den Regisseur aus und mit diesem dann die Schauspieler, Drehorte usw. Am Anfang steht aber immer die gute Geschichte, eine tragfähige Story. Anders geht es nicht.

Interviewer: Sie bestimmen also das Endprodukt, den Film, maßgeblich mit?

Klaus-Peter Wolf: Film ist Teamarbeit. Wer nicht teamfähig ist, gehört da nicht hin. Man kann keine Schauspieler in Handschellen zum Set bringen und zwingen, etwas so zu spielen. Aber man kann versuchen, sie zu überzeugen, die Rollen zu erklären. Mit Gaby Dohm zum Beispiel gab es lange Gespräche. Sie hat sich ganz intensiv auf die Rolle vorbereitet, und ich finde sie als Dr. Silvia Jansen wunderbar. Sie ist so präsent. Sie strahlt wirklich die Kraft aus, die Silvia im Roman hat und die aus ihrem Inneren kommt.

Interviewer: Der Film ist aber ganz anders als das Buch »Feuerball«. Im Roman hat Jens eine Schwester, die eine wichtige Rolle spielt. Sie fehlt im Film.

Klaus-Peter Wolf: Richtig. Der Film ist ein ganz anderes Medium. Im Film habe ich nur 90 Minuten. Im Roman 220 Seiten. Da musste ich verknappen und mit der Zahl der Personen ökonomisch umgehen. Sonst kommen als Nebenfiguren nur blutleere Pappkameraden heraus. Wenn ich keinen Raum habe, Nebenfiguren wirklich lebendig werden zu lassen und sie mit eigener Geschichte auszustatten, lasse ich sie lieber weg. In dem Sinne ist natürlich ein Roman immer reichhaltiger und vielschichtiger als die beste Verfilmung.

Interviewer: Das sagt jemand, der mehr als 50 verfilmte Drehbücher geschrieben hat?

Klaus-Peter Wolf: Ja und zwar aus voller Überzeugung. Ich liebe Filme. Ich glaube, dass Menschen ohne Geschichten, Bücher, Filme oder Comics verrückt werden oder abstumpfen. Die schönste und tiefste Art, eine Geschichte zu erfahren, ist aber ganz sicher, sie zu lesen. Wer liest, wird selbst Regisseur und dreht einen Film im eigenen Kopf. Und dieser eigene Film ist immer besser als der, den andere Leute gedreht haben.

Klaus-Peter Wolf

Ostfrieslandkrimis