Richard Limpert

Ich mochte Richard Limpert. Er war eine ehrliche Haut und stand im entscheidenden Moment immer auf der richtigen Seite. Erich Trepmils Geschichte war seine eigene (erschienen in zwei Bänden im Asso Verlag). Trepmil heißt Limpert rückwärts gelesen. Richard wollte noch wirklich etwas. Für ihn war Kunst weder Selbstbefriedigung noch Broterwerb. Er glaubte an die bewusstseinsverändernde Wirkung von Texten. Auf Flugblättern waren sie ihm lieber als im Poesiealbum.

Er sprach laut und deutlich. Er sagte nicht „freie Marktwirtschaft“. Er sagte: „Kapitalismus“.

Ich erinnere mich an eine gemeinsame Lesung auf einem Marktplatz. Ich glaube, es war in Marl. Max von der Grün war dabei und Josef Büscher natürlich. Ich war noch Schüler und konnte mir nicht vorstellen neben Fischverkäufern und einem Obststand eine Geschichte vorzulesen. Aber dann machte Richard den Anfang mit einem Megafon. Er las tatsächlich Gedichte vor und es blieben Leute stehen. Einige kauften später sogar Bücher. Max las ganz ruhig eine Geschichte. Fast zwanzig Minuten lang und eine große Menschentraube hörte zu. Dann kam ich dran mit zitternden Knien.

Als ich fertig war klopfte Richard mir auf die Schulter. „Hasse toffte gemacht!“ sagte er. „Willz noch n Pilz?“ Ja, wollte ich und Max und Josef Büscher kamen auch mit.

Klaus-Peter Wolf

Ostfrieslandkrimis