Rainer Horbelt

Rainer Horbelt war ein Vollblutautor und ständig unter Strom. Obwohl er wirklich hart und viel arbeitete und im Grunde recht erfolgreich war, immerhin wurden seine Bücher gedruckt und seine Filme gesendet, litt er ständig unter Geldmangel. Einmal war ich dabei, als in seiner Wohnung das Telefon abgedreht wurde, er erwartete aber einen wichtigen Anruf, der genau die Geldprobleme beheben sollte. Es tat ihm weh. Er fühlte sich ungeliebt von der Stadt und von vielen Kollegen.

Er war sehr verletzlich und konnte harsch und aufbrausend sein. Leider hatte er meist recht, wenn er verbal austeilte, trug es aber oft so vor, dass es schwer war, danach wieder „normal“ miteinander umzugehen. Er lebte in ständigem Krieg mit vielen Menschen, weil er alles persönlich, viel zu persönlich nahm. Das hat ihm oft sehr geschadet.

Wir haben gemeinsam das Theaterstück „Supermann spielt nicht mehr mit“ geschrieben, das dann im Kellertheater Köln uraufgeführt und mehr als hundert mal gespielt wurde. Gleichzeitig sollten auch die Proben zu seinem Stück „Spielmaschine“ beginnen. Er war glücklich, zwei Stücke gleichzeitig an einem Theater. Unser Kinderstück und dann die Spielmaschine mit der er – das hoffte er heimlich – Theatergeschichte schreiben würde.

Während einer Probe erfuhr er vor allen Schauspielern, dass sein Stück „Die Spielmaschine“noch vor der Uraufführung abgesetzt worden war. Er brach innerlich fast zusammen, setzte sich zur Wehr, tobte. Ich habe damals mit ihm gelitten und sehr gespürt woher seine vielen Wunden kamen. Auf der Rückfahrt von Köln nach Gelsenkirchen schwieg er lange, dann sagte er mir, ich solle mir das noch tausend mal überlegen, ob ich wirklich freier Autor werden wolle:

„In Deutschland kriegst du nur in die Fresse. Du musst durch eine Phalanx von Verhinderern in Sendern, Verlagen und Theatern. Die meisten wollten selbst Künstler werden, haben es aber nicht geschafft, weil das Talent nicht reichte oder sie hatten Schiss vor dem vogelfreien Leben und sind irgendwo in der Branche untergekrochen, wo man ihnen ein warmes Pöstchen angeboten hat. Diese Typen werden Dir nie verzeihen, dass Du bist, wie du bist. Du dürftest eigentlich gar nicht existieren, du bist ein Putschversuch gegen ihr Leben. Deshalb werden sie Dir Schwierigkeiten machen. Sie lassen nur das Mittelmaß an sich vorbei, dann können sie immer heimlich grinsen und denken: das kann ich auch. Vermutlich sogar besser.“
In meinem späteren Berufsleben als Autor habe ich oft an ihn gedacht, wenn ich frustriert Redaktionen oder Verlagshäuser verließ. Wie so oft hatte er auch damals Recht. Er übersah nur, dass es auch die anderen gab, die Förderer. Er ist viel zu früh und zu weit weg von Gelsenkirchen gestorben.

Klaus-Peter Wolf

Ostfrieslandkrimis