Helga Riedel

Es muss im Frühjahr 1968 gewesen sein, ich besuchte mit meiner Freundin Mary eine Veranstaltung der Literarischen Werkstatt Gelsenkirchen. Ich war mir nicht sicher, ob ich reinkomme, ich war erst 14 Jahre alt. Aber der Lyriker Hugo Ernst Käufer, damals so etwas wie der Kopf der Werkstatt, freute sich über „die jungen Leute“.

Helga Riedel las und ich glaube auch Frank Göhre (der spätere Tatortautor), jedenfalls war er auch da. Helga Riedel war eine schöne, junge Frau mit langen Haaren. Sie lebte in Gelsenkirchen – offensichtlich war sie gerade dabei, sich von ihrem Mann zu trennen, was sich in ihren Texten spiegelte.

Bei der Publikumsabstimmung in der Literarischen Werkstatt kam sie eine Runde weiter ins „Viertelfinale“. Ja, grinst ruhig, Poetry Slam, DSDS, das alles scheint vorher schon in Gelsenkirchen stattgefunden zu haben. Später schrieb Helga Riedel drei viel beachtete Kriminalromane. Einer muss tot, Der Wiedergänger und Ausgesetzt. Sie erhielt den „Deutschen Krimipreis“.

Klingt klasse, aber sie hatte auch eine Menge Pech im Leben. Ihre Mutter glaubte sich in einem ihrer Romane wiederzufinden und brach darauf den Kontakt ab. Helga Riedel hatte einen schweren Autounfall und lag lange im Koma. Ihre Bücher verschwanden aus den Buchhandlungen, weil Rowohlt die ganze Reihe einstellte. (Schwer zu begreifen. Um so einen Schwachsinn zu verstehen muss man vermutlich BWL studieren.)

Auf jeden Fall gehört sie in die Galerie unserer Autoren und ist Beispiel für viele, die ihre literarische Karriere in der LWG (Literarischen Werkstatt Gelsenkirchen) begannen.

Klaus-Peter Wolf

Ostfrieslandkrimis