Kleine Dealer, große Träume

Polizeiruf 110

 Nachts in einer Tiefgarage. Ein Wagen braust heran, stoppt mit quitschenden Reifen vor Atze, der ein Kilogramm Heroin bereithält. Doch als die Dealer aussteigen, tritt Kommissarin Bilewski mit gezogener Waffe aus dem Hintergrund. Es fallen Schüsse. Die Kommissarin sinkt getroffen zu Boden. Die Dealer flüchten. Doch Hainer Speth, Bilewskis Assistent, ist Atze dicht auf den Fersen. Er überwältigt ihn, nimmt ihm den Stoff und die Waffe ab und … lässt ihn laufen.

 Atze ist ein liebevoller aber kämpferischer Chaot, der davon träumt seiner Freundin Bibi eine richtige Familie zu gründen. Irgendwo ganz weit weg wollen die beiden ihr noch ungeborenes Kind aufziehen. Doch Bibi ist heroinsüchtig und zudem noch minderjährig. Für einen Entzug in einer Schweizer Klinik, in der »keine dummen Fragen gestellt werden«, fehlt das Geld. Auch Atzes Job, als Geschäftsführer in einer Discothek, bringt nicht genügend ein.

 Doch für Bibi ist Atze bereit, alles zu wagen. Als er entdeckt, dass sein Kompagnon Richie, der Bibi immer wieder heimlich mit Stoff versorgt, im Besitz eines Kilo Heroins ist, sieht er für sich eine einmalige Chance. Richie soll noch am selben Abend die Drogen an eine Dealerbande übergeben. Doch Atze entwendet ihm gewaltsam den Stoff. Er selbst will als Bote fungieren und das Geld in die eigene Tasche stecken. Dabei bedenkt er nicht, dass er Richie damit in Lebensgefahr bringt.

 Mit dem Deal hofft Atze, alle seine Probleme mit einem Schlag lösen zu können. Doch die Übergabe in der Tiefgarage platzt. Kommissarin Bilewski und ihr Assistent Heiner Speth schreiten ein. Als Heiner Atze festnehmen will, erkennt er in ihm einen alten Freund. Überrumpelt von dieser Begegnung, lässt er ihn laufen. Aus Loyalität zu Atze behindert Heiner die weiteren Ermittlungen und gerät so immer tiefer in einen unlösbaren Konflikt.

 Bedrängt von den Dealern, die auf der Jagd nach dem Heroin sind und der Polizei, die nach den Schuldigen fahndet, kämfen Atze und Bibi um die Chance auf eine bessere Zukunft, Heiner um seine berufliche und menschliche Integrität und Richie ums nackte Überleben.

  • Sender SDR, 1995
    Regie Urs Odermatt
    Redaktion Thomas Martin

Pressestimmen

 Soviel boshafte Komik war selten im Krimigenre. Der Spiegel, Hamburg, 1996
Der Wolf bringt Quote: Klaus-Peter Wolf ist ein zuverlässiger Storylieferant. Die gehobene Qualität seiner Werke lässt sich jetzt wieder in zwei ›Polizeiruf 110‹-Folgen des Bayrischen Rundfunks überprüfen. Stern, 23.10.1997