Die Literarischen Anfänge in Gelsenkirchen

Auf der Seite Gelsenkirchener-Geschichten.de hat Klaus-Peter Wolf in loser Reihenfolge immer wieder über die Zeit in Gelsenkirchen zwischen 1970 und 1980 geschrieben. Hier eine Sammlung seiner Beiträge. Insgesamt entsteht so ein Mosaik einer literarisch sehr fruchtbaren Zeit, in der die spannenden literarischen Entwicklungen scheinbar nicht in Berlin, München oder Köln stattfanden, sondern mitten im Pott.

„Zu meinen frühen Förderern und Gesprächspartnern zählte der Autor Philipp Wiebe, der mit bürgerlichem Namen Ernst-Adolf Kunz hieß. Gemeinsam mit seiner Frau Gunhild betrieb er die Agentur Ruhr-Story. Sie vertraten Autoren wie Heinrich Böll, Siegfried Lenz. Josef Reding, Wolfdietrich Schnurre und Paul Schallück. Eine Weile hatte auch ich das Glück, zu den Autoren zu zählen, von denen sie Kurzgeschichten an Tageszeitungen verkauften.

Philipp Wiebe schrieb das Drehbuch zu So zärtlich war Suleyken nach Erzählungen von Siegfried Lenz. Nach seinem Tod erschien von ihm Die Hoffnung ist wie ein wildes Tier. Der Briefwechsel zwischen Heinrich Böll und Ernst-Adolf Kunz.

Er schrieb wundervolle Kurzgeschichten. Er war ein Einzelgänger und hasste Gruppen. Auch die Literarische Werkstatt Gelsenkirchen war ihm suspekt. Aber er lud mich und meine Freundin Mary in den Siebzigern gern zu sich ein und erzählte uns Geschichten (und das konnte er wahrlich). Er nahm junge Autoren sehr ernst. Ich verließ sein Haus immer mit einem Stapel Bücher unterm Arm. Er fand, ich müsse die unbedingt lesen und beim nächsten Besuch wurde ich streng examiniert, ob ich auch alles gelesen und verstanden hatte.

Dagegen war eine Deutschstunde am Grillo-Gymnasium nur ein Schiss.“