Interview mit Klaus-Peter Wolf

esotera: Herr Wolf, wie kommt ein erfolgreicher Schriftsteller wie Sie dazu, Reinkarnations-Therapeut zu werden? Wolf: Eigentlich wollte ich eines für mich herausfinden: Ich wollte wissen, ob es möglich ist, dass man schon einmal gelebt hat und eventuell wiedergeboren wird. … esotera: Gab es dazu einen konkreten Anlass? Wolf: Ja, es gibt zwei traumatische Erlebnisse in meinem Leben: einen schweren Verkehrsunfall in meiner Kindheit und eine Herzoperation als Erwachsener. Beide Male hatte ich das Gefühl, mich von außen zu betrachten. Aufgrund dieser Träume war ich dann Klient mehrerer psychotherapeutischer Methoden. Doch nach einiger Zeit merkte ich, dass sie zu kurz griffen. Sie gingen alle nicht zurück bis vor die Zeit der Geburt. Sollte meine Annahme der Wiedergeburt stimmen, dann war das eigentlich auch kein Wunder: Wenn wirklich die Zwänge, Ängste und Konflikte, die ein Mensch hat, nicht nur aus diesem Leben kommen, sondern aus einem vorherigen, dann nutzen die herkömmlichen Therapien nichts. Die Spur wurde ganz woanders gelegt. Ich konnte zunächst mit niemandem darüber reden, dachte, die halten dich für verrückt und sperren dich weg. Gleichzeitig wollte ich mehr darüber wissen, das ist nun mal der Forschungsdrang des Romanschriftstellers, der die Weltverstehen will, um darüber schreiben zu können. Also nahm ich Kontakt auf zu Leuten, die sich schon länger mit diesem Thema befassten, und ließ mich von ihnen mehrere Male rückführen. Das faszinierte mich dermaßen, dass ich mich zum Reinkarnations-Therapeuten ausbilden ließ. esotera: In einer Therapiemethode, die nun nicht gerade das ist, was man »wissenschaftlich anerkannt« nennt … Wolf: Wer heilt, hat Recht! Die Beweise haben mich nie interessiert, sondern die Möglichkeit der Heilung. Da ist es letztendlich auch völlig egal, ob man an Reinkarnation glaubt. Wenn die Heilung nicht deshalb funktioniert, weil es frühere Leben gibt, dann erfolgt sie doch mit Sicherheit dadurch, dass die Seele dem Menschen Bilder gezeigt hat, die er offenbar nötig hatte und die ihm geholfen haben. Heute kommen Menschen zu mir, die seit zehn, fünfzehn Jahren mit schweren Szene aus Wolfs preisgekröntem Film »Svens Geheimnis«seelischen Defekten herumlaufen und fast jede Art von therapeutischer Hilfe ausprobiert haben. Und oft ist es so: Wenn ich ihnen zeige, dass es einen roten Faden gibt, der vor ihrem Leben seinen Anfang nimmt, dann kommen sie besser klar. Ich sage dann in der Rückführung meistens, dass die Seele jetzt das Leben zeigen wird, in dem die Probleme begonnen haben. esotera: Haben Sie ein konkretes Beispiel für einen solchen Fall von »seelischer Spontanheilung«? Wolf: Naja, von spontan kann nicht die Rede sein, es sind schon mehrere Sitzungen nötig. Ich half einmal einem Mann mit einer schweren Ess-Störung. Er war buchstäblich dabei, sich zu Tode zu fressen. In der Rückführung stellte sich heraus, dass er in einem früheren Leben in einen »Schuldturm« geworfen worden und dort qualvoll verhungert war. In seinem jetzigen Leben aß er also niemals mit Genuss, sondern aus Angst, dieses Schicksal würde sich wiederholen. Durch die Rückführungen wurde ihm klar, dass dies alles dreihundert Jahre her war und er heute keine Angst mehr zu haben brauchte. Sein Leben hat sich geändert. Natürlich hat er immer noch Ernährungsprobleme. Die sind aber bei weitem nicht mehr lebensbedrohlich. Darüber hinaus glaube ich, dass viele Menschen, die wegen Wahnvorstellungen in den Psychiatrien einsitzen, in Wahrheit geflutet werden von Erlebnissen aus früheren Leben, die sie nicht einordnen können und die ihnen Angst machen. esotera: Wie sieht eine Rückführung in der Praxis aus? Wolf: Es gibt die vier Methoden: die Zuhilfenahme von Drogen, die Hypnose, das holotrope Atmen und die Tiefenentspannung. Ich habe mich für die Letztere entschieden, denn hier ist der Klient mit vollem Bewusstsein dabei, aber die Gefühle und die Bilder, die er sieht, werden weniger vom Verstand kontrolliert. Bei dieser Art der Rückführung wird auch viel gelacht, weil die Sinne immer noch voll aktiv sind. Ich leite den Menschen dazu an, sich gewisse Sachen genauer anzusehen. Vor allem aber ist mir wichtig, ihm die Angst zu nehmen, Thriller über die Abgründe des Menschen denn oft erleben die Menschen Schlimmes. Wenn zum Beispiel jemand sein eigenes Sterben noch einmal durchmacht, dann gehe ich mit ihm so lange weiter, bis er seine Geburt in einem anderen Leben erfährt. Allein durch dieses Erlebnis bewegt sich mancher heute wesentlich angstfreier und bewusster. Wer mitbekommen hat, das er auf dieser Erde wiedergeboren wird, geht mit ihr auch vollkommen anders um. esotera: Kann es bei dieser Art von Rückführung zu »therapeutischen Unfällen« kommen – beispielsweise, dass der Klient in einem Trauma stecken bleibt, dass vor ein paar Hundert Jahren geschah? Wolf: Die Nebenwirkungen sind gering. Für die einen ist es so, als hätten sie in einem alten Fotoalbum geblättert, für die anderen war es eine Kinovorstellung. In jedem Fall ist jedoch etwas Hochspannendes passiert. esotera: Zurück zu ihrem eigentlichen Beruf, der Schriftstellerei. Wie schafft man es, so ungewöhnlich kreativ zu sein wie Sie? Wolf: Schreiben ist für mich ein Ventil, um der nette, humorvolle und umgängliche Mensch sein zu können – der ich zweifelsohne bin. Vielleicht liegt es an einem früheren Leben, dass ich so viel zu erzählen habe. …