Halbstark mit Sturzhelm

Seine Rocker-Romane sind Renner

Seine Rockerfreunde nennen ihn einen »duften Kumpel«. Autor Klaus-Peter Wolf im Kreise von Fans. Sein Leben mit ein paar Sätzen erzählt, klingt wie der Stoff für einen abenderfüllenden Film. Klaus-Peter Wolf verweigerte den Kriegsdienst und leitete ein Jugendheim der evangelischen Kirche, studierte drei Tage Germanistik und zwei Semester Sowjetische Staats- und Rechtstheorie, vagabundierte dann kreuz und quer durch Europa und studierte fünf Semester Jura, während er mit Rockern lebte und Bücher schrieb. Mit seinen 26 Jahren hat er bereits ein gutes Dutzend Bücher veröffentlicht. Seine letzten zwei Romane sind, wie nicht anders zu erwarten autobiografisch. »Zoff ums Jugendheim« (Weltkreis Verlag) erzählt in einer frischen, schnoddrigen Ruhrgebietssprache von Rockern, Sonderschülern und Pennälern, die gemeinsam mit Wolf versuchten, ein Jugendzentrum mitten im Revier aufzubauen. Ihnen hat er das Buch gewidmet. Sie sind seine Leser und gleichzeitig der Stoff für seine Bücher. Wenn er selbst auch kein Motorrad besitzt, so sagt er doch: »Unter den sogenannten Rockern fand ich ehrlichere Freunde als unter den Schriftstellerkollegen.« Aus diesem Satz klingt wohl auch ein bißchen Resignation über die Literaturszene, von der Wolf sagt: »Sie interessiert mich eigentlich nicht ernsthaft.« In den großen Literaturbeilagen ist sein Name auch nicht häufig zu lesen, dafür um so mehr in jugendeigenen Zeitungen und Zeitschriften. Die Auflagen seiner Bücher sind in wenigen Wochen ausverkauft, oft erreichen sie kaum den Buchhandel, weil Jugendliche sie auf Elefantentreffen und Rock- and- Roll Konzerten im Freiverkauf anbieten. In Ruhrgebietskneipen kann es dem nichtsahnenden Besucher passieren, daß plötzlich junge Männer in Lederjacken aufkreuzen und ihm freundlich aber bestimmt einen Wolf- Roman anbietet. Zum besonderen Renner in dieser Szene entwickelt sich zur Zeit Wolfs letzter Roman »Dosenbier und Frikadellen« (Litherarischer Verlag Braun). Hart und realistisch erzählt Klaus-Peter Wolf von nächtlichen Motoradjagden, der Jagd nach Mädchen und nach Geld. Der Roman hat keinen Helden. Es ist die Geschichte einer ganzen Gruppe: einer Rockergruppe. Sie fahren gestohlene Motorräder, leben in abbruchreifen Häusern und sind ständig auf der Flucht vor Eltern, Institutionen und Polizei. Soziale Absicherung gibt es für sie nicht. Ihre einzige Sicherheit ist die Gruppe. Man merkt durch jede Zeile , daß Wolf dieses Milieu genau kennt. Er formuliert die Wünsche und Träume dieser jungen Leute, die sonst so selten ein Sprachrohr finden, doch Wolf romantisiert ihr Leben nicht. Er zeigt seine Figuren neurotisch milieugeschädigt und von Existenzängsten geplagt. Die harte Sprache dieser Bücher grenzt schon an Sprachzerstörung, ist aber doch dem Thema angemessen. Und seine knalligen Sprüche: »Besser halbstark mit Sturzhelm als ganzstark mit Stahlhelm« kommen bei seinem Publikum an. Solange er sich im Kreise seiner alten Freunde, noch wohlfühlt, ist die Gefahr, die er für sich sieht, »irgendwann vom Literaturbetrieb gefressen zu werden«, wohl nicht zu groß. Einer seiner Rockerfreunde sieht das so: »Der ist unser Kumpel, auch wenn sie ihm jetzt Literaturpreise hinterherschmeißen.« Unter den zahlreichen Literaturpreisen (zu deren Preisverleihung er meist nicht erschien) ist auch der Förderpreis für Literatur des Landes NRW gewesen. Wie viele Preise er bekam, weiß er angeblich nicht mehr, aber, so lacht er: »Ich habe davon mindestens ein Jahr ganz gut gelebt.« Jürgen Wittershagen