Ein tödliches Wochenende

Einer von euch muss raus! Entscheidet, wer.

 Nach Sonnenuntergang im Gebirge. Durch die dunklen Serpentinen lenken sechs Menschen ihre Wagen zu einer einsamen Hütte. Die wohlhabenden Städter – eine Apothekerin, eine Lehrerin, ein Geschäftsmann, ein Arzt und ein Anwalt – treffen sich dort regelmäßig, um unter Anleitung des Psychotherapeuten Harry Bach ihre Ängste und Neurosen zu bekämpfen. Von den Bewohnern eines nahe gelegenen Dorfes wird das Treiben der Fremden mit Misstrauen und Feindseligkeit beobachtet.

Das letzte Treffen des Kurses nimmt eine verhängnisvolle Wendung. Im Dunkel des Waldes überfährt einer der Teilnehmer den Sohn des Bauern Menzel und lässt ihn tödlich verletzt am Abhang liegen. Während Menzel verzweifelt versucht, seinen Jungen zu retten, beginnt in der Waldhütte die Therapiesitzung. Harry will seine Klienten mit ihren dunklen Seiten konfrontieren. Dazu hat er ein quälendes Spiel vorbereitet: Er lässt sie in einem Schlauchboot Platz nehmen und eröffnet ihnen, einer sei zu viel im Boot. Ihre einzige Überlebenschance sei es, ein Opfer zu bestimmen. Zunächst lehnt die Gruppe die Zumutung entrüstet ab, doch dann gewinnt das Spiel eine aggressive Eigendynamik – die verschiedenen Charaktere prallen aufeinander bis hin zu offen gezeigtem Hass.

Es liegen bereits alle Nerven blank, da wird aus dem Spiel blutiger Ernst: Menzels Sohn ist im Krankenhaus gestorben; der Vater rast vor Schmerz und fordert Rache. Bewaffnet taucht er vor der Hütte auf, übergießt sie mit Benzin und droht, alle in den Flammen umkommen zu lassen, wenn sich der Schuldige nicht stellt. Doch keiner der Insassen gesteht seine Schuld. Nun gibt es kein spielerisches Taktieren und keine Ausreden mehr, die wahre Persönlichkeitsstärke der Eingeschlossenen offenbart sich angesichts von Fragen, die über Leben und Tod entscheiden: Ist wirklich einer von ihnen der Täter? Wer könnte es sein? Und selbst wenn sie den Schuldigen finden sollten – wäre es nicht blanker Mord, ihn auszuliefern?

Wolfs Reviertheater

In Essen gründete sich die Theatergruppe Wolfs Reviertheater die Ein tödliches Wochenende auf die Bühne brachte.

  • Sender NDR, 1999
    Regie Thorsten C. Fischer
    Redaktion Doris Heinze
    Produktion HDT

Pressestimmen

Da werden lässige Erfolgsmenschen zu kleinen verheulten Wesen, großspurige Verdrängungskünstler zu kleinlauten Verlierern. Der Psychosmalltalk wird zum Offenbarungseid. (…) Deren Probleme möchten wir haben – könnte man meinen, doch das träfe die Intention und das Werk von Klaus-Peter Wolf (Drehbuch) und Thorsten C. Fischer (Regie) mitnichten. Sie nämlich bedienen sich der auch im Fernsehen gängigen Betrachtungsweise einer zur Narretei pervertierten psychologischen Praxis, um sie peu a peu, langsam, dezent und perfide zu verändern. Die klassische Wendung, aus Spiel wird Ernst, erfährt hier die häufig vermisste Klarheit und Wahrheit. [...] Der unbändige Zorn des Mannes und die stille Trauer der Frau lassen uns am Ende erschaudern. Hans-Heinrich Obuch, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2001