Der Autor Klaus-Peter Wolf

Die ersten Erfolge

Noch während er in Gelsenkirchen am Grillo-Gymnasium die Schulbank drückte, erschienen seine Geschichten in der damals recht aktiven Undergroundpresse, bei Mini- und Kleinstverlagen, in zahllosen Anthologien und Lyrikzeitschriften und wurden vom Radio gesendet.

Für die Schule hatte er kaum Zeit. Bis zu zweihundert Briefe verließen pro Woche die elterliche Wohnung. Er bot seine Geschichten überall an und zunehmend wurden sie gedruckt. Auch die ersten großen Tageszeitungen stiegen ein. Klaus-Peter Wolf lacht:

Zum Beispiel die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) druckte damals meine Kurzgeschichten regelmäßig nach. Ich bekam achtzig Pfennig Zeilenhonorar, was irrwitzig viel Geld war. Die Redakteure ahnten nicht, dass sie Geschichten eines Schülers druckten, der sie heimlich im Unterricht schrieb. Es konnte damals durchaus passieren, dass Klaus-Peter Wolf neben Heinrich Böll und Siegfried Lenz in einer Wochenendausgabe erschien.

Der erste Artikel über Klaus-Peter Wolf aus der Westfälischen Rundschau (1970)

Schon früh das harte Brot der Schreiberei gekostet

Gelsenkirchens jüngster Literat hat bereits ein großes Publikum

Lord Edes Geschichten kommen vor Grillo- Schülern und -Lehrern an

 „Die Nacht im Käfig wurde gemütlich. Der Lord rauchte seine Pfeife, Charlie Rind war glücklich über seinen neuen Namen, und sie sahen hoffnungsvoll in die Zukunft. Morgen würden sie die Hexe finden, und das Land wäre vom Hunger befreit. Dann wollten sie ein Schiff nehmen und auf eine andere Insel fahren, um dort ihrer Lieblingsbeschäftigung nachzugehen – dem Nichtstun, aber Wichtigtun.“
So beginnt das fünfte Kapitel der „Phantastischen Geschichten auf den Happy Islands Inseln“ von Klaus-Peter Wolf (16), ehedem Mitarbeiter der früh verschiedenen Schülerzeitung Janus, zur Zeit hauptberuflich Obertertianer am Grillogymnasium. Der hauptberufliche Schüler ist Gelsenkirchens jüngster Schriftsteller mit Publikumserfolg. Der Nachwuchsliterat, der den Stil von Siegfried Lenz imitiert und parodiert, hat schon früh das harte Brot der Schriftstellerei gekostet: „Schon in der Volksschule habe ich Geschichten erzählt. Das hat mir meine Mama aber bald verboten, weil ich mir die Storys im Unterricht ausdachte.“
Zum Schreiben kam Lord Ede, wie seine Klassenkameraden den phantasiebegabten Blondschopf nennen, aber erst im vergangenen Jahr. „Wir haben da im Deutschunterricht eine Geschichte von Lenz gelesen. Die hat mir so gut gefallen, dass ich mir dachte: Den kannste doch mal imitieren.“ Ergebnis: Die skurrilen Satiren und Parodien von den „Glücklichen Inseln“.

Kein Geld für eine Schreibmaschine

Eines Tages fiel die Kladde mit Klaus-Peters literarischen Versuchen Kunsterzieher Van der Grinten in die Hände. Der kleine blonde Wolf: „Er hat die Arbeiten gelesen und dann gemeint: Das muss gedruckt werden.“ Bevor es aber zum Drucken – kommt, wandert Lord Ede mit seinen Werken ein-, zweimal in der Woche durch die Klassen der Unterstufe. Wolf, bescheiden-verschmitzt: „Die Sachen sollen erst mal in einer Auflage von 500 Stück vervielfältigt werden. Im Augenblick haben wir nicht mal Geld für 'ne Schreibmaschine. Ziemlich mau bei jungen Schriftstellern.“
Kumpel und Klassenkamerad Klaus Streuf (17) – „Den hab ich auf der Judomatte kennengelernt. Weil er mit gebrochenem Finger nicht trainieren konnte, gab ich ihm 'ne Geschichte von mir zu lesen. Und dann hat er gesagt: Wir arbeiten von jetzt an zusammen. Ich konnte mich gar nicht dagegen wehren.“ – liest, und Klaus-Peter Wolf beobachtet die Reaktionen des Publikums.

Direktor stellt Mittel zur Verfügung

Über das Entgegenkommen aller Lehrer, vor allem aber von Studienrätin Dr. Magdalene Linnenborn, die ihre Deutschstunden zur Dichterlesung zur Verfügung stellt, und Oberstudienrat Walter Günther, der die Texte grammatikalisch und orthographisch korrigiert – Lord Ede, als Klassensprecher anerkannte Autorität: „Meine letzte Zeugnisnote in Deutsch war 'ne 3. In den anderen Fächern, och, da bin ich so Durchschnitt. Mehr ist nicht.“ – wundert sich das einzige Kind eines Bademeisters und einer Friseuse: „Das ist ein ganz neuer Stil. Vom Janus waren wir ja verwöhnt, in Opposition zu stehen.“
Oberstudiendirektor Fox hat für Wolfs Ambitionen volles Verständnis. Er stellt die notwendigen Mittel kostenlos zur Verfügung. „Dafür muss ich dann die ersten vervielfältigten Exemplare kostenlos verteilen.“

Entschuldigungen bei Siegfried Lenz

Das Literatenteam besteht freilich nicht nur aus Autor und Lesechef Streufen, der übrigens Wolfs erbarmungsloser Kritiker ist, sondern auch aus einer zeichnenden Schneiderin: „Marie Luise Symanzik haben wir im Freibad entdeckt. Als sie eine meiner Geschichten gelesen hatte, fing sie gleich an zu zeichnen. Sie machte uns die Illustrationen.“ Wenn die Werke mal gedruckt werden. Klaus-Peter skeptisch: „Wir können die Sachen doch keinem Verlag geben, weil sie noch nicht getippt sind. Ich habe schon mal Arbeiten an einen Verlag geschickt, aber nicht zurückbekommen, obwohl Porto für die Rückantwort beilag.“

Zunächst aber will sich der selbstbewusste Jungdichter bei Vorbild Siegfried Lenz in Hamburg entschuldigen: „Ich will ihm meine Sachen schicken und ihn um Verzeihung bitten, dass ich ihn so parodiere.“ Der junge Mann, der unbedingt Schriftsteller werden will, weiß, was sich gehört. Wie heißt es im dritten Kapitel der „Phantastischen Geschichten“: „Charlie stieg aus, fegte die Scherben beiseite und sagte: »Wenn ich mir zu bemerken erlauben darf«, sprach er, »der Lord will aber auch immer mit dem Kopf durch die Wand.«“

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