Sonstiges

Wolfs Reviertheater

In Essen gründet sich die Theatergruppe »Wolfs Reviertheater«

Als kleiner Junge besuchte Klaus-Peter Wolf oft das Musiktheater im Revier. Besonders spannend fand er die Bochumer Gastspiele im Schauspielhaus. Seine Lieblingstante arbeitete im Musiktheater im Revier als Schneiderin. Von daher hatte er immer Zugang zu billigen Karten.
So sah er in jungen Jahren zahlreiche Stücke und er liebte sie, auch wenn er sie oft noch nicht verstand: »Manche Stücke sah ich zweimal und dann kapierte ich ein bisschen mehr.«
Heute werden seine doppelbödigen spitzen Dialoge von der Kritik im In- und Ausland gelobt. Der Anfang dafür wurde damals im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen gelegt, das glaubt er noch heute. Deshalb ist er auch besonders stolz darauf, dass sich nun im Ruhrgebiet eine Theatergruppe gegründet hat, die sich nach ihm benennt: Wolfs Reviertheater. Und das kam so:
Patricia Tomaszek, Studentin der Literatur, Kultur und Medien sah zusammen mit dem Journalisten und Schauspieler Michael Hoch, Klaus-Peters Wolfs Ein tödliches Wochenende im Fernsehen. Die beiden waren berührt. Sie wollten das Stück noch einmal sehen, zurückspulen, Szenen wiederholen, noch einmal mitleiden, analysieren, was sie gesehen hatten. Sie erkannten das »unglaubliche Theaterpotenzial« in dem Fernsehspiel. »Das Ding muss einfach auf die Bühne«, so Michael Hoch.
Die beiden nahmen Kontakt zu Klaus-Peter Wolf auf und fragten ihn, wie er zu so einer Bühnenadaption stehe. Schnell gesellte sich der Essener Schauspieler und Regisseur Uwe Höltermann (u.a. Theaterstück »Trainspotting«) dazu.
Die drei besuchten Klaus-Peter Wolf in seiner neuen ostfriesischen Heimat, wo er zurückgezogen hinterm Deich lebt und neue Stücke und Romane schreibt.
Klaus-Peter Wolf: »Ich entscheide so etwas in Sekunden. Die drei kamen herein und ich wusste, das wird gut mit denen. Ich hatte sofort Vertrauen zu ihnen. Sie sind selbst Künstler und Künstler darf man nicht am Gängelband führen. Also gab ich ihnen freie Hand. Wir redeten viele Stunden über die Verletzungen menschlicher Seelen, über Therapieerfahrungen (die in dem Stück eine wichtige Rolle spielen) und natürlich über Film- und Theatererfahrung. Als die drei nach Hause fuhren, stand für sie fest: Wir gründen Wolfs Reviertheater.«
Die Premiere vom »Tödlichen Wochenende« wird am Samstag, 11. November, 20 Uhr in Essen, Die Bühne, Girardetstraße 2–38 stattfinden. Klaus-Peter Wolf wird bei der Premiere anwesend sein.

Die berühmte Gummibootszene. Der Therapeut fordert seine Klienten auf:
»Ihr seid auf hoher See. Die Vorräte werden knapp. Es reicht nicht für alle. Einer von euch muss raus. Entscheidet, wer.«

Fotos

Die Originalbesetzung im Film:

Ute Sperling
Andrea Sawatzki
Sabine Jung
Nele Müller-Stöfen
Julius
Dominique Horwitz
Christian
Thomas Kretschmann
Harry
Jürgen Hentsch
Jochen
Helmut Berger
Ernst Menzel
Jochen Nickel

Filmkritiker schrieben später, diese Szene gehöre zu den Sternstunden des deutschen Fernsehens. Nie wurde Therapie in ihren Möglichkeiten, aber auch in ihrer Gefahr, deutlicher auf den Punkt gebracht.

Termine 2007

Mittwoch, 14. März, 19 Uhr

Wülfrath, Kommunikations-Center, Schlupkothen 49
Samstag, 24. März, Essen, 20 Uhr

Essen, Die Bühne, Girardetstraße 2–38
Samstag, 21. April, 20 Uhr

Essen, Die Bühne, Girardetstraße 2–38
Samstag, 19. Mai, 20 Uhr

Essen, Die Bühne, Girardetstraße 2–38

Anfragen und Reservierungen für alle Termine auch unter info@wolfs-reviertheater.de

Stab

Michael Hoch
Intendant/Bühnenadaption/Bühnenbild/Julius

»Wenn das hier Wirklichkeit wäre, sähe sowieso alles ganz anders aus«
Der 36-jährige freie Journalist aus Duisburg hatte die Idee, für die Bühnenumsetzung des »Tödlichen Wochenendes«. Nach Wolfs Original-Vorlage hat Michael Hoch die Theateradaption mit eigenen Ideen übernommen, spielt die Rolle des Arztes Julius und ist ebenso zuständig für Bühnenbild und die Musikauswahl im Stück.
Hoch absolvierte bereits 1988 erfolgreich die Aufnahmeprüfung bei Schauspielschule Hedi Höpfner Hamburg, spielte sechs Jahre bei der freien Bühne »Statttheater« Flensburg unter anderem den Robert in »Die Welle«. Als Journalist schreibt er zum Beispiel für das Schauspielmagazin »ca:st« und für verschiedene Online-Musikportale.

Uwe Höltermann
Regisseur/Casting/Vater Ernst

»Ich gebe Euch drei Minuten«
Der 38-jährige Essener lernte sein schauspielerisches Handwerk unter anderem an der »Camera Acting School« Köln. Zu seinen herausragenden Theaterrollen gehört der Erich im »Katzelmacher« (Giller-Theater) und Spud in »Trainspotting« (Freie Bühne Düsseldorf). Er war Schauspieldozent und Regieassistent am pädagogischen Theater bei der Produktion »Romeo und Julia«.

Patricia Tomaszek – Projektträgerin/Sabine

»Es muss einen Weg geben. Es muss!«
Ihr Schauplatz war zunächst die Tennisbühne; erst spät kam die 24-jährige Studentin des Siegener Masterstudiengangs Literature, Culture and Media zum Theater. Mit »Drama statt Siegen« spielte sie 2003 Lucie in »Hase, Hase« von Coline Serreau im Siegener Theater »Lyz«. Die Stipendiatin der Ria-Fresen-Stiftung hält Lesungen, in denen sie Gedichte aus ihrem Band »Stille Begleiter« spricht oder als Puppe Paruna mit der Märchenerzählerin Gwendith ein »Literarisches Potpourri« aufführt.
Patricia Tomaszek ist Trägerin des Projekts, das vom Kulturbüro der Stadt Essen gefördert wird.

Dimitrij Schewalje – Therapeut Igor Bach

»Nur wer auch seine dunklen Seiten kennt und annimmt, kann wirklich aus seiner Mitte heraus leben …«
Zu den Referenzen des 46-jährigen Familienvaters aus Mülheim zählt ein Studium der Theaterwissenschaft an der Universität Erlangen, das er im Jahr 1999 abschloss. In seinen diversen Engagements zeigte er verschiedene Gesichter. So war er von 2002 bis 2004 Darsteller im Russischen Theater Nürnberg, dort verkörperte er ebenso den »Fimestokelus« in Razers Komödie »Diogenus« unter Regisseur B. Chmelnitzkij wie auch den »Schwarzen Menschen« in Puschkins »Kleine Tragödie« (2003).

Gero Hufendiek – Christian

»Wie sagt Igor so schön: Wer kein Vertrauen in Andere hat, hat auch kein Vertrauen in sich selbst«
Gero Hufendiek ist 39 Jahre und spielt im Stück den Manager Christian. Er ist Dipl. Psychologe und Psychotherapeut aus Duisburg. Er hatte in den 90`er Jahren eine Regieassistenz am Heidelberger Kinder- und Jugendtheater, absolvierte Schauspieltraining bei Wolfgang G. Schmidt (Heidelberger Schauspielwerkstatt) und tritt auch schon mal gerne bei Poetry Slams auf.

Yusuf Demircan – Jochen

»Es ist alles noch viel schlimmer, als ich dachte«
Der 34-jährige Gelsenkirchener begann mit Hauptrollen im Schultheater, unter anderem in »Die Physiker« von Dürrenmatt und »Trotz aller Therapie« von C. Durang. Er spricht neben Deutsch auch Türkisch und Englisch und spielte in diversen Theaterproduktionen unter der Regie von Tony Glaser.

Petra Eke – Ute

»Also, mir geht es jetzt eigentlich ganz gut«
»Du bist doch Lehrerin an einer Schule« stellt Igor Bach im »Tödlichen Wochenende« fest und so ist es auch im richtigen Leben. Die 40-jährige Mutter einer Tochter unterrichtet an einer Dortmunder Gesamtschule Chemie, Biologie und Mathematik. Aber auch die Theaterbühne betritt sie gerne. Sie spielt seit ihrem 17. Lebensjahr in diversen Gruppen, unter anderem in dem deutsch-türkischen Theaterprojekt »Köfte und Sauerkraut«. Zudem ist sie in diversen Projekten mit Theaterpädagogen mit Jugendtheaterstücken, zum Beispiel »Ein Sommernachtstraum« aufgetreten.

An der Seite von Hardy Krüger jun. und Tana Schanzara bekam er ein kleines Engagement für RTL und war Mitglied in der Freien Theatergruppe Gegendruck. Mit ihr spielte er in »Die Ermittlung« von Peter Weiss.