Presse
Zur Technik des Psychodramas
Anmerkungen zum Workshop Stoffentwicklung in Daun
von KLAUS-PETER WOLF
Wenn jede Figur Im Drehbuch eine ganz eigene Sprache haben soll, die Ihre Bilder aus Ihrem Inneren heraus entwickelt, so stellt sich die Frage, wie kann der Autor das schaffen? Klaus-Peter Wolf empfahl in seinem Dauner Workshop die Aufstellung des Drehbuchs als Resonanzboden der Stoffentwicklung.
0ftmals, wenn unsere Filme misslingen, hängt es damit zusammen, dass wir eigene dunkle Stellen in uns haben, die wir selbst nicht sehen wollen und ausblenden. Wenn eine unserer Figuren dann an so eine Stele gerät, können wir damit nicht wirklich umgehen. Sie wird künstlich. Ein anderer, der an dieser Stelle eben keinen dunklen Fleck hat (dafür natürlich an anderen Stellen) kann dem Autor so Antworten geben, auf die dieser selbst nicht kommen könnte, egal, wie lange er konstruiert, aufbaut und feilt.
Die Gruppe als Resonanzboden
In meinen „Psychodrama“ Kursen bitte ich die Teilnehmer, ihre Geschichte kurz vorzustellen und sich dann ihre Hauptfiguren auszusuchen. Fast immer finden sich gleich Teilnehmer, die sich von bestimmten Rollen angesprochen fühlen. Gemeinsam mit dem Autor stelle ich dann das Setting im Raum. Also, wie weit sind die Personen voneinander entfernt? Sehen sie sich an? Stehen sie mit dem Rücken zueinander? Wer ist näher bei wem? Was immer wieder verblüfft, ist, wie schnell die aufgestellten Teilnehmer, in ihre fremden Rollen gehen. Wie sie aus diesen Rollen heraus auf Fragen schlüssige Antworten geben können, als seien sie wirklich diese Figuren.
Einige Menschen erinnert meine Arbeit an Familienaufstellungen , eigene an Gestalttherapien, die sie erlebt haben, oder an Bioenergetik und Energiearbeit. All dies ist nicht ganz falsch. Ich benutze tatsächlich alle zur Verfügung stehenden therapeutischen Formen, um mich der Befindlichkeit der Figuren zu nähern. Eins stimmt. Dies ist kein germanistischer, sondern ein therapeutischer Ansatz. Allerdings dient er nicht dem Ziel, die Figuren zu heilen, sondern, sie klarer zu zeigen und den Druck auf sie zu erhöhen. So findet man mit dieser Methode sehr rasch die tiefste Sehnsucht der Figur und Ihre größte Angst. Dies gehört zum Grundwissen über eine Figur.
»Was einem Autor an Tiefe der Figuren fehlt, versucht er durch Überkonstruktion auszugleichen.«
Ein Autor, der nicht in all seinen Figuren einmal drin war und aus ihrer Perspektive die Welt gesehen hat, kann kein wirklich gutes Drehbuch schreiben. Was ihm an Tiefe der Figuren fehlt, wird er durch Überkonstruktion der Geschichte auszugleichen versucht. Bestimmt gibt es auch viele andere gute Methoden, sich dem zu nähern. Meine ist nur eine von vielen. Sie schließt keine anderen aus und ist nicht allein selbstmachend. Aber sie hilft, den starren Umgang eines Autors mit seinen Figuren zu verändern, ihm eine neue Sicht nicht auf seine Figuren, sondern durch seinen Figuren auf die Handlung zu geben. So wird die Handlung oft schlüssiger. Und vergessen wir eins nicht: Es ist alles nur ein Spiel.
