Tatort

Wir leben von Mord und Totschlag

Autor aus Norden schreibt neuen »Tatort«

Klaus-Peter Wolf lebt und arbeitet in Ostfriesland

NORDEN/hom – Wenn am Sonntag der »Tatort« in der ARD zur besten Familiensendezeit um 20.15 Uhr über die Mattscheibe der Wohnstuben flimmert, sitzt Klaus-Peter Wolf in seinem Haus im Distelkamp ganz gebannt in der ersten Reihe. Denn das aktuelle Drehbuch zur populären Krimi-Reihe stammt aus seiner Feder. Seit knapp einem Jahr lebt und arbeitet der namhafte Autor von Kinderbüchern, Romanen und Filmbüchern zusammen mit seiner Lebensgefährtin Bettina Göschl in Norden. Das Autorenduo Bettina Göschl und Klaus-Peter Wolf haben in Norden eine neue Heimat gefunden. Seit einem Jahr leben und arbeiten sie in der Küstenstadt. Foto: Stromann»Der Krimi spielt zwar in Frankfurt am Main, er atmet aber bereits Norder Seeluft«, erzählt Wolf, der mit acht Millionen verkauften Büchern zu den erfolgreichsten Schriftstellern und zu den am meist gefragtesten Drehbuchautoren des Landes zählt. »Der Film entstand bei langen Spaziergängen am Meer.« Und unter dem Licht der Dunstabzugshaube. »Das war nämlich die einzige Lichtquelle im damals noch im Ausbau befindlichen Haus.« Und der Abgabetermin drängte bereits. »An der Nordseeküste wollen wir leben«, beschließen Bettina Göschl und Klaus-Peter Wolf im vergangenen Jahr und sagen ihrer Heimatstadt Köln »Tschö«. Seitdem lassen sie nun in ihrem niedlichen Friesenhaus in Norden zwischen der Arbeit und den langen Lesereisen auch einmal die Seele baumeln.

»Wir leben von Mord und Totschlag«

Autoren-Paar Bettina Göschl und Klaus-Peter Wolf wird in der Küstenstadt langsam heimisch

Am Sonntag serviert der Autor eine neue Leiche – praktisch zum Dessert. NORDEN/hom – Nordsee ist Mordsee. Vielleicht fühlen sich Bettina Göschl und Klaus-Peter Wolf gerade deshalb in ihrer neuen Heimat in Norden, in unmittelbarer Nähe zum Meer, so wohl (siehe auch Seite 1). Denn Mord ist nicht nur ihr Hobby, sondern er ist Beruf. »Wir leben schließlich von Mord und Totschlag«, sagt der renommierte – Schriftsteller und bekennt sich schuldig. Am Sonntag serviert er im ARD – »Tatort« eine neue Leiche – praktisch zum Dessert. Eine Szene aus dem neuen »Tatort« von Klaus-Peter Wolf: Der bereits wegen Vergewaltigung verurteilte Karl Lichti (Jürgen Tarrach) nimmt die Lehrerin Michaela Metzner (Barbara Philipp) als Geisel. Foto: HR/Bettina MüllerMit über 30 Jahren und 500 Folgen ist der »Tatort« die älteste und mit durchschnittlich knapp acht Millionen Zuschauern die meistgesehene Krimireihe im bundesdeutschen Fernsehen. Doch zuletzt ist der Klassiker in die Kritik geraten. Zu brutal sei der Bremer Krimi »Abschaum« Anfang April mit Hauptdarstellerin Sabine Postel als Kommissarin Inga Lürsen gewesen. Teufelsanbeter, missbrauchte Kinder und ein Massaker in einer alten Villa. 14 Opfer – und das zur besten Familiensendezeit um 20.15 Uhr. Politiker, Psychologen und Medienexperten schlugen Alarm, forderten eine schärfere Kontrolle der Krimi-Reihe auf jugendgefährdende Gewaltszenen. »In meinen Krimis gibt es kein Blut an der Wand und erst recht kein Gemetzel«, sagt Klaus-Peter Wolf. »Das ist Effekthascherei.« Er spielt bei seinen Morden lieber mit der Fantasie der Zuschauer. »Ich blicke tief in die Abgründe menschlicher Seelen.« Doktor Jeckyl und Mister Hyde. Janus eben: Altrömischer Gott des Torbogens, Schützer des Ein- und Ausgangs sowie Gott des Anfangs, dargestellt mit Doppelantlitz. »Die Affektqualität meines Films ist Grusel.« Spannung und Gänsehaut ist also garantiert am Sonntag. Und darum geht es in dem Fall: Mitten aus der Trauer um ihre Eltern gerissen, die einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen sind, eilt Hauptkommissarin Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki) mit ihrem Kollegen Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf) direkt zu einem neuen Fall: Die Schulpsychologin einer Gesamtschule wurde in ihrer Wohnung brutal erstochen. Schuldirektor Seidensticker (Heinz Werner Kraehkamp) berichtet von der bedrückenden Stimmung an seiner Schule, denn erst vor kurzem hat sich ein Schüler das Leben genommen. Charlotte schlüpft in die Rolle der Psychologin und ermittelt undercover – und gerät dabei unwissentlich selbst in große Gefahr … »Das Ende verrate ich natürlich nicht«, sagt Klaus-Peter Wolf und grinst vieldeutig. Regisseur Klaus Gietinger setzte die Norder Buchvorlage für den Hessischen Rundfunk in Frankfurt am Main und Umgebung in Szene. Gedreht wurde der Kriminalfilm im vergangenen Jahr vom 16. September bis zum 25. Oktober. Der zweite Wolf-Krimi aus der »Tatort«-Reihe mit der Klaus-Peter Wolf hat den neuesten »Tatort« geschrieben.Schauspielerin Ulrike Folkerts als Ludwigshafener Hauptkommissarin Lena Odenthal wird am 16. Mai in der ARD um 20.15 Uhr gesendet. Der Titel: »Abgezockt – Eine regnerische Nacht«. Nächtelang hat Klaus-Peter Wolf in dem noch leeren Haus im Distelkamp in Norden daran geschrieben. »Es gab noch nicht einmal Lampen.« Zusammen mit Freunden ging er beim gemütlichen Abendessen in der Norddeicher Gaststätte »Diekster Köken« quasi auf Verbrecherjagd und diskutierte mit ihnen die Inhalte. »Am Nachbartisch unterhielten sich zwei Männer auf Platt«, erzählt der gebürtige Gelsenkirchener. »Und ich hatte keine Ahnung, worüber.« Langsam gewöhnen sich Bettina Göschl und Klaus-Peter Wolf, die zusammen auch Kinderbücher schreiben, aber an die neue Sprache – und an die neue Heimat. Gerade am Donnerstag hat er mit seinem Verleger über eine neue Krimireihe verhandelt, in deren Mittelpunkt eine Auricher Kommissarin stehen soll. »Eine Zugezogene, wie wir«, verrät Klaus-Peter Wolf schon einmal. Und die Einheimischen helfen dabei tüchtig: Von den Nachbarn gab es zum Einzug einen Bogen und bei der Auto-Ummeldung war ein Passant beim Kennzeichen-Wechsel behilflich. »Es ist persönlicher«, haben die beiden festgestellt. »Nicht so anonym.«

Lesen Sie in der Mai-Ausgabe vom Ostfriesland Magazin die Homestory über die beiden Autoren: Zum Morden nach Norden.

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Presse 96

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    • Ostfriesischer Kurier
    • 2004