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Einblicke in die Tiefen der Seele

»Einen wirklich Besessenen kann nichts aufhalten« heißt es in einem der Bücher des Schriftstellers Klaus-Peter Wolf. Dieser Satz scheint auch auf den Autor selber zuzutreffen. Wolf, Jahrgang 1954, hat bereits mehr veröffentlicht als die meisten anderen seiner Altersgruppe. Neben fünfzig Kinderbüchern ein Dutzend Romane und Erzählbände sowie mehr als sechzig Drehbücher für Spielfilme. Für seine Arbeiten erhielt der Vielschreiber zahllose Auszeichnungen – allein für das Drehbuch zum Fernsehfilm Svens Geheimnis wurde er gleich dreimal geehrt: mit dem Erich-Kästner-Preis; dem kanadischen Rocky Award; und dem Magnolia Award Shanghai, dem asiatischen Oskar.

So ungewöhnlich wie seine explosive Kreativität ist auch Wolfs Methode. Für die Erzählung Dosenbier und Frikadellen lebte er jahrelang in einer kriminellen Jugendbande, und um den Roman Szene aus einem von über 60 Spielfilmen aus Wolfs FederTraumfrau überhaupt schreiben zu können, unternahm er einen Schritt, der ihn an den Rand seiner Belastbarkeit führte. Wolf gründete zum Schein eine Firma für Mädchen- und Frauenhandel, aber natürlich gab's nicht eine einzige Vermittlung. Sein Buch wurde nicht nur zum Bestseller,sondern auch zu einem politischen Skandal im Bundesland Rheinland-Pfalz, denn immerhin hatte ihm das dortige Finanzamt eine Steuernummer für ein verbotenes Gewerbe zugeteilt.

Seine Begabung zum Schreiben entwickelte sich schon im Kindesalter. Mit acht Jahren schrieb er seine erste Erzählung und verkaufte sie einem Schulkameraden, der prompt eine Fortsetzung haben wollte und dem debütierenden Autor anbot, quasi als Bezahlung seine Hausaufgaben zu machen. Denn in der Schule war Wolf eher Durchschnitt. Selbst in Deutsch gelang es ihm nie, mehr als eine Vier zu bekommen. Seine enorme Fantasie und Kreativität passten offenbar nicht in den engen schulischen Rahmen. »Stellen Sie sich vor: Irgendwann wurde mir sogar verboten, auf dem Schulhof erfundene Geschichten zu erzählen!«

Nach dem Abitur studierte der Schriftsteller »lustlos und ohne jeden Abschluss ein bisschen in der Gegend rum« und vagabundierte anschließend kreuz und quer durch Europa. »Immer hörte ich den Satz Lern erstmal was Vernünftiges«, sagt Klaus-Peter Wolf, »aber ich lernte bewusst nichts Anständiges, denn ich wollte mir keine Brücken in ein gesichertes Leben bauen, sondern nur vom geschriebenen Wort leben.« Das Schreiben blieb seine große Leidenschaft und fiel ihm nie sonderlich schwer. Dabei produzierte er nicht nur fließbandartig, sondern konnte seine Produkte auch wirtschaftlich erfolgreich unterbringen.

Zweimal hat Klaus-Peter Wolf in seinem Leben Erlebnisse in Todesnähe überstanden, bei denen er seinen Körper von außen betrachtete: Sie waren der Grund, dass er sich die Fragen stellte: »Kann die Seele den Körper verlassen?« »Hat sie früher schon einmal gelebt und wird sie wiedergeboren?« Diese Thematik fand Wolf so spannend, dass er sie literarisch verarbeiten musste. Klaus-Peter WolfDas Szenario: In einer psychiatrischen Anstalt wird eine Frau behandelt, die unter Wahnvorstellungen leidet. Der sie behandelnde Professor glaubt an Reinkarnationen und will anhand seiner Patientin diese These wissenschaftlich belegen. Das erweist sich als schwierig. Es stellt sich nämlich heraus, dass beide aus früheren Leben noch eine Rechnung miteinander offen haben …

Damit der Roman Karma-Attacke auch authentisch rüberkommt, tauchte der Autor in die tiefsten Tiefen seiner eigenen Seele ab. »Ich bin ein Mensch, der nicht mal daran glaubt, dass Pommes frites aus Kartoffeln sind ,wenn ich's nicht selber überprüft habe.« Wolf nahm Kontakt zu Reinkarnations- Therapeuten auf, machte mehrere Rückführungen und ließ sich schließlich von Viktoria Stratenwerth »Lehrtherapeutin an der Bonner Akademie für Psyche und Soma«, zum Reinkarnations-Therapeuten ausbilden. Die Ausbildung zum Therapeuten half Wolf nicht nur beim Schreiben. Sie half ihm beim Verstehen seines eigenen Lebensweges: »Ich entdeckte, dass es Spuren in meinem Leben gibt, die ihren Ursprung in früheren Daseinsformen haben. Dadurch lösten sich viele Probleme, die ich im früheren Leben hatte, fast von selber auf.« Seit einigen Jahren lebt und arbeitet Klaus-Peter Wolf in Köln – allerdings nicht als Reinkarnations-Experte. »Ich will damit kein Geld verdienen, sondern einfach mehr über die menschliche Seele erfahren. Außerdem: Wenn ich den ganzen Tag als Therapeut arbeiten würde – wann sollte ich dann noch Zeit zum Schreiben finden?«

Interview mit Klaus-Peter Wolf

esotera: Herr Wolf, wie kommt ein erfolgreicher Schriftsteller wie Sie dazu, Reinkarnations-Therapeut zu werden?

Wolf: Eigentlich wollte ich eines für mich herausfinden: Ich wollte wissen, ob es möglich ist, dass man schon einmal gelebt hat und eventuell wiedergeboren wird. …

esotera: Gab es dazu einen konkreten Anlass?

Wolf: Ja, es gibt zwei traumatische Erlebnisse in meinem Leben: einen schweren Verkehrsunfall in meiner Kindheit und eine Herzoperation als Erwachsener. Beide Male hatte ich das Gefühl, mich von außen zu betrachten. Aufgrund dieser Träume war ich dann Klient mehrerer psychotherapeutischer Methoden. Doch nach einiger Zeit merkte ich, dass sie zu kurz griffen. Sie gingen alle nicht zurück bis vor die Zeit der Geburt. Sollte meine Annahme der Wiedergeburt stimmen, dann war das eigentlich auch kein Wunder: Wenn wirklich die Zwänge, Ängste und Konflikte, die ein Mensch hat, nicht nur aus diesem Leben kommen, sondern aus einem vorherigen, dann nutzen die herkömmlichen Therapien nichts. Die Spur wurde ganz woanders gelegt. Ich konnte zunächst mit niemandem darüber reden, dachte, die halten dich für verrückt und sperren dich weg. Gleichzeitig wollte ich mehr darüber wissen, das ist nun mal der Forschungsdrang des Romanschriftstellers, der die Weltverstehen will, um darüber schreiben zu können. Also nahm ich Kontakt auf zu Leuten, die sich schon länger mit diesem Thema befassten, und ließ mich von ihnen mehrere Male rückführen. Das faszinierte mich dermaßen, dass ich mich zum Reinkarnations-Therapeuten ausbilden ließ.

esotera: In einer Therapiemethode, die nun nicht gerade das ist, was man »wissenschaftlich anerkannt« nennt …

Wolf: Wer heilt, hat Recht! Die Beweise haben mich nie interessiert, sondern die Möglichkeit der Heilung. Da ist es letztendlich auch völlig egal, ob man an Reinkarnation glaubt. Wenn die Heilung nicht deshalb funktioniert, weil es frühere Leben gibt, dann erfolgt sie doch mit Sicherheit dadurch, dass die Seele dem Menschen Bilder gezeigt hat, die er offenbar nötig hatte und die ihm geholfen haben. Heute kommen Menschen zu mir, die seit zehn, fünfzehn Jahren mit schweren Szene aus Wolfs preisgekröntem Film »Svens Geheimnis«seelischen Defekten herumlaufen und fast jede Art von therapeutischer Hilfe ausprobiert haben. Und oft ist es so: Wenn ich ihnen zeige, dass es einen roten Faden gibt, der vor ihrem Leben seinen Anfang nimmt, dann kommen sie besser klar. Ich sage dann in der Rückführung meistens, dass die Seele jetzt das Leben zeigen wird, in dem die Probleme begonnen haben.

esotera: Haben Sie ein konkretes Beispiel für einen solchen Fall von »seelischer Spontanheilung«?

Wolf: Naja, von spontan kann nicht die Rede sein, es sind schon mehrere Sitzungen nötig. Ich half einmal einem Mann mit einer schweren Ess-Störung. Er war buchstäblich dabei, sich zu Tode zu fressen. In der Rückführung stellte sich heraus, dass er in einem früheren Leben in einen »Schuldturm« geworfen worden und dort qualvoll verhungert war. In seinem jetzigen Leben aß er also niemals mit Genuss, sondern aus Angst, dieses Schicksal würde sich wiederholen. Durch die Rückführungen wurde ihm klar, dass dies alles dreihundert Jahre her war und er heute keine Angst mehr zu haben brauchte. Sein Leben hat sich geändert. Natürlich hat er immer noch Ernährungsprobleme. Die sind aber bei weitem nicht mehr lebensbedrohlich. Darüber hinaus glaube ich, dass viele Menschen, die wegen Wahnvorstellungen in den Psychiatrien einsitzen, in Wahrheit geflutet werden von Erlebnissen aus früheren Leben, die sie nicht einordnen können und die ihnen Angst machen.

esotera: Wie sieht eine Rückführung in der Praxis aus?

Wolf: Es gibt die vier Methoden: die Zuhilfenahme von Drogen, die Hypnose, das holotrope Atmen und die Tiefenentspannung. Ich habe mich für die Letztere entschieden, denn hier ist der Klient mit vollem Bewusstsein dabei, aber die Gefühle und die Bilder, die er sieht, werden weniger vom Verstand kontrolliert. Bei dieser Art der Rückführung wird auch viel gelacht, weil die Sinne immer noch voll aktiv sind. Ich leite den Menschen dazu an, sich gewisse Sachen genauer anzusehen. Vor allem aber ist mir wichtig, ihm die Angst zu nehmen, Thriller über die Abgründe des Menschen denn oft erleben die Menschen Schlimmes. Wenn zum Beispiel jemand sein eigenes Sterben noch einmal durchmacht, dann gehe ich mit ihm so lange weiter, bis er seine Geburt in einem anderen Leben erfährt. Allein durch dieses Erlebnis bewegt sich mancher heute wesentlich angstfreier und bewusster. Wer mitbekommen hat, das er auf dieser Erde wiedergeboren wird, geht mit ihr auch vollkommen anders um.

esotera: Kann es bei dieser Art von Rückführung zu »therapeutischen Unfällen« kommen – beispielsweise, dass der Klient in einem Trauma stecken bleibt, dass vor ein paar Hundert Jahren geschah?

Wolf: Die Nebenwirkungen sind gering. Für die einen ist es so, als hätten sie in einem alten Fotoalbum geblättert, für die anderen war es eine Kinovorstellung. In jedem Fall ist jedoch etwas Hochspannendes passiert.

esotera: Zurück zu ihrem eigentlichen Beruf, der Schriftstellerei. Wie schafft man es, so ungewöhnlich kreativ zu sein wie Sie?

Wolf: Schreiben ist für mich ein Ventil, um der nette, humorvolle und umgängliche Mensch sein zu können – der ich zweifelsohne bin. Vielleicht liegt es an einem früheren Leben, dass ich so viel zu erzählen habe. …

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