Presse

Ein Talent ist keine Krankheit

Autor Klaus-Peter Wolf traf sich mit jungen Lesern

Er ist mit Leib und Seele Schriftsteller. Und er trifft mit seinen Büchern den Nerv der Zeit. Klaus- Peter Wolf, der im Westerwald lebt und mit Titeln wie ›Die Abschiebung‹ und ›Samstags, wenn Krieg ist‹ bekannt wurde, schreibt von jungen Leuten für junge Leute. Und weil er den Draht zu seinem Publikum nicht verlieren will, trifft er sich gern mit Jugendlichen, spricht mit ihnen, diskutiert, gibt Tips. So auch vor kurzem in Altenkirchen bei einer Literaturwerkstatt.

Herr Wolf, woher beziehen Sie Ihre Ideen für neue Bücher?

Die Ideen entstehen meistens auf langen und ausgedehnten Lesereisen. Ich lese sehr oft vor Schulklassen, und wir diskutieren über das Gehörte. Sehr schnell sind wir dann nicht mehr bei dem Kunstwerk, sondern bei den Jugendlichen. Sie sind durch das Kunstwerk emotional geöffnet und erzählen von sich. Deshalb handelt auch mein neues Buch ›Das Gen des Bösen‹ von einem Jugendlichen, obwohl das Buch für Erwachsene geschrieben ist. Darin geht es um einen Jugendlichen, der seine ganze Familie ausrottet, weil er dem Wahn unterliegt, das er gezeugt wurde, um das Gen des Bösen weiterzutragen. Die Kripobeamtin Vera Bilewski ( den Lesern schon aus ›Samstags wenn Krieg ist‹ bekannt) ist dem jungen auf der Spur. Vera Bilewski arbeitet mit ganz anderen Methoden, die sich am besten mit einem Zitat beschreiben lassen: " Sie führt eine innere Statistik. Es steht 70 : 30 für ihre Gefühle.

Was kann man sich unter einer literarischen Werkstatt vorstellen?

Ich selbst hatte als 14- jähriger das große Glück in die literarische Werkstatt in Gelsenkirchen zu kommen. Ich hatte ein Talent, aber ich dachte, das sei eine Krankheit. Ich hatte sogar Angst ich sei wahnsinnig. Wenn man leicht von der normalen Welt in eine Phantasiewelt springt, kann das eine große Last sein. Und bezeichnen wir nicht auch phantasibegabte Kinder oftmals als Lügner? Mir tat damals das Lob der Schriftsteller in der Werkstatt gut: erlebte ich es als Befreiung, als tiefe persönliche Erfahrung. Und deshalb
trat ich mit sechzehn Jahren als jüngstes Mitglied in den Schriftstellerverband ein. Jetzt, da ich selbst ein etablierter Schriftsteller mit über sechs Millionen verkauften Büchern bin, versuche ich, etwas von meinen Erfahrungen weiterzugeben. Für diese Jugendlichen ist es eine Offenbarung, wenn sie erleben das sie talentiert sind. Mit den Teilnehmern habe ich eine Phantasiereise gemacht, eine Reise zum Ursprung ihrer Begabung. Die Reise ist so angelegt, dass ein künstlerisch begabter Mensch mit seinem Talent in Kontakt kommt. Ich begleite den Jugendlichen auf dieser Reise und biete ihnen einen geschützten Raum, in dem sie sehr viel von sich preisgeben können. Im Anschluss an die Phantasiereise haben dann einige Jugendliche eigene Texte vorgelesen. Und für einige dieser Texte, da bin ich ganz sicher, hätten Kollegen einen Arm gegeben.

Was bringt dieser Workshop für sie persönlich?

Ich liebe es mit kreativen Menschen zusammen zu sein. Ich biete in Altenkirchen auch eine literarische Werkstatt an, die bereits seit sieben Jahren besteht. Und dann ist schön zu beobachten, wie sehr sich die Teilnehmer weiterentwickeln.

Presse 133

  • Presse – Ein Talent ist keine Krankheit
  • Zeitung/Magazin

    • Rheinzeitung
    • 1995