Film
Weil ich gut bin
Was aus Sven wurde
Er ist siebzehn Jahre jung, aber schon auf dem besten Weg, sich seine Zukunft endgültig zu verbauen. Wegen zahlreicher Autodiebstähle sitzt Mücke eine Jugendstrafe ab. Bis zum Hals in Problemen steckt auch seine aufopferungsvolle Freundin Sweta. Die Mutter: Eine schwere Alkoholikerin. Die jüngere Schwester: Drogenabhängig und auf dem Babystrich. Ein scheinbar perspektivloses Leben. Aber unverhofft ist plötzlich Besserung in Sicht. Autohändler Bethke hat sich zum Ziel gesetzt, vorbestraften Jugendlichen zu helfen, lässt sie bei sich arbeiten und wohnen – eine Initiative, die er als »Betreutes Wohnprojekt« staatlich fördern lässt. Auch den Autospezialisten Mücke nimmt er bei sich auf. Schnell avanciert der zu seinem besonderen Schützling. Doch in seiner neuen Bleibe stößt Mücke auf alte Bekannte aus seiner kriminellen Vergangenheit – und die stecken mitten in der Planung eines großen Coups. Ihr Opfer: Bethke. Mücke weigert sich zwar mitzuspielen. Doch dann werden Sweta und er unwillentlich Teil ihres perfiden Plans …
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Vorwort von Monika Paetow (Redaktion WDR)
Die Sehnsucht nach Anerkennung liegt in jedem Menschen. Die Geschichte von Klaus-Peter Wolf erzählt von dieser Sehnsucht und von der Freundschaft, die man braucht, damit sie erfüllt wird. Mücke sucht seinen Weg noch, und lange hat er nur Anerkennung bei falschen Freunden gefunden. Zweihundert Autos klauen, das ist doch was! Wie Mücke Gefahr läuft, in eine kriminelle Karriere abzurutschen und statt Anerkennung nur Verachtung zu ernten, hat Miguel Alexandre eindringlich inszeniert, mit einem kräftigen Schuss Humor, ohne den das Leben von Mücke und Sweta für den Zuschauer kaum zu ertragen wäre. »Weil ich gut bin!« ist kein Jugendfilm, nur weil junge Leute die Protagonisten sind. Er richtet sich an Zuschauer jeden Alters, die den Wunsch nach Anerkennung und den Wert der Freundschaft nicht vergessen haben. Es liegt in der Tradition des Westdeutschen Rundfunks, immer wieder auch Geschichten von jungen Menschen zu erzählen. »Hin und weg« gehört dazu, »Herzrasen« und natürlich Svens Geheimnis, der, vielfach prämiert, die Vorgeschichte von Mücke erzählt haben könnte. Die Schicksale, die Träume und die Freuden und Leiden der Jüngeren gehen alle Menschen an. Die Älteren finden darin vielleicht ihre Erfahrungen und Träume wieder, und sie haben die Möglichkeit, etwas über die Bedürfnisse der Jungen zu erfahren. Zum Beispiel, dass sie die Freundschaft der Älteren brauchen, um wie Mücke den Weg in die Zukunft zu finden.
Interview mit Klaus-Peter Wolf
Der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller, Drehbuch- und Hörspielautor Klaus-Peter Wolf
hat seit den 70er Jahren über fünfzig Kinder- und Jugendbücher, Krimis und Romane für Erwachsene geschrieben.
In fünfzehn Sprachen wurden seine Bücher übersetzt, über acht Millionen Exemplare seiner Werke wurden bisher verkauft.
Klaus-Peter Wolf war gerade einmal achtzehn Jahre alt, als 1972 sein erstes Jugendbuch »Mein Freund Pinto« erschien.
Zu den wichtigsten, seither entstandenen Kinderbüchern des äußerst produktiven Autors gehören u.a.
die Reihen Drei tolle Nullen und Jens-Peter und der Unsichtbare.
Wolfs Credo: »Ich muss erst alles erleben, ja erleiden, bevor daraus ein Buch wird.«
In diesem Sinne stehen viele seiner Werke für hautnahe Recherchen und ein Stück eigener Lebenserfahrung. In seinem 1979 erstmals erschienenen Roman Dosenbier und Frikadellen hat der gebürtige Gelsenkirchener eigene Erfahrungen als Gastmitglied einer Rockerbande verarbeitet; vor der Veröffentlichung seines Romans Die Abschiebung (1984) war er selbst zwei Jahre in der Asylantenarbeit tätig; und eigene Erlebnisse als Mitglied einer Entwicklungshelferbrigade in Nicaragua bilden die Grundlage für den Roman »Tage, die wie Wunden brennen« (1985). Besonders brisant war seine Recherche für den Roman Traumfrau (1989), der sich mit den skrupellosen Methoden deutscher Heiratsvermittler befasst: Wie mühelos Wolf selbst eine Scheinfirma mit dem Geschäftszweck des Frauen- und Mädchenhandels gründen konnte, erregte Ende der 80er Jahre viel öffentliches Aufsehen. Auch in seinem neuesten, soeben erschienenen Roman Karma-Attacke weiß Klaus-Peter Wolf genau, wovon er spricht: Schließlich hatte er sich für ihn zum Reinkarnationstherapeuten ausbilden lassen.
Für sein erstes Drehbuch, die 1985 im ZDF ausgestrahlte TV-Adaption seines Romans »Die Abschiebung«, konnte Klaus-Peter Wolf im selben Jahr den Anne-Frank-Preis entgegennehmen. Ihm folgten seit Mitte der 90er Jahre u.a. zahlreiche Drehbücher für die ARD-Krimireihen »Polizeiruf 110« und »Tatort« sowie mehrere Folgen für die ARD-Reihe »Ärzte« rund um den Sportarzt Conny Knipper. Gleich mehrere Preise erhielt Wolf für seinen Fernsehfilm Svens Geheimnis (ARD 1994): Der Film über zwei Kinder, die auf dem besten Wege sind, eine Kriminellen-Karriere zu machen, erhielt neben dem Erich-Kästner-Preis auch mehrere internationale Preise – u.a. den kanadischen Rocky Award for best made TV-movies. Zu seinen letzten Filmen gehören Ein tödliches Wochenende (ARD 2001) und Das schwangere Mädchen (RTL 2001), ein TV-Movie nach Motiven seines Romans Donnas Baby.
Drehbuchautor Klaus-Peter Wolf über die harte Realität und die leichten Momente in seinen Filmen – und über die Kunst, vom Hier und Jetzt zu erzählen, ohne morgen schon wieder an Wirkung verloren zu haben.
Ihr Buch »Dosenbier und Frikadellen« ist ein Klassiker der Jugendliteratur. Für Aufsehen hat es vor allem durch seine ungeschminkte, authentische Jugendsprache gesorgt. Seitdem hat sich viel geändert, und noch immer wissen Sie, was Jugendliche denken, wie sie sprechen. Woher kommt das?
Ich unternehme nach wie vor ausgedehnte Lesereisen und diskutiere meine Bücher und meine Filme mit Schülern und Erwachsenen. Vormittags lese ich in Schulen, abends kommt zumeist noch eine Veranstaltung hinzu. Pro Jahr sind das mindestens hundertachtzig Lesungen – ich befinde mich also im ständigen Gespräch mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die Leute im Sender haben mir bestätigt, dass man das merkt. Von Projekt zu Projekt stellen sie deutliche Unterschiede in der jugendlichen Sprache und in der Art fest, wie ich Jugendliche darstelle. Als wir zum Beispiel »Svens Geheimnis«* gemacht haben, spielten Handys noch keine Rolle. Heute kann man ohne sie überhaupt keinen Film über Jugendliche mehr machen.
Trotz des aktuellen Zeitbezugs gibt es jedoch Konstanten in Ihren Filmen.
Meine Filme spielen sehr im Hier und Jetzt, verlieren aber im Laufe der Jahre nicht an Wirkung. Man könnte ja hingehen und sagen: Was heute aktuell ist, wird morgen schon wieder Schnee von gestern sein. Mit meinen Filmen und Büchern verhält es sich anders, weil die von mir behandelten Probleme sehr archaisch sind. Worum es mir geht,war vor ein paar hundert Jahren nicht anders und wird auch in fünfzig Jahren nicht anders sein. Die Bücher, die ich vor zwanzig Jahren geschrieben habe, erreichen die Jugendlichen auch heute noch. Die jungen Leute haben zwar mit Rockern, die auf Motorrädern durch die Innenstadt fahren und in abbruchreifen Häusern leben, nichts mehr zu tun. Aber das ist ja nur die Kulisse. Entscheidend ist also, was in dieser Kulisse geschieht. Es geht um eine andere, bedeutendere Ebene. Und auf dieser erzählen Sie … dass die Jugendlichen ihren Platz in der Gesellschaft suchen, ihren Platz im Leben. Im Moment ist die Gesellschaft so geschlossen, dass die Jugendlichen vor ihr stehen wie vor einer Wand. Und die Botschaft dieser Gesellschaft an die jungen Leute lautet: »Wir brauchen euch nicht! Und wenn ihr hier doch einen Platz zugewiesen bekommt, dann geht das nur zu ganz bestimmten Bedingungen, und auf den Platz warten noch fünf andere.« Was da geschieht, ist grausam. Und davon erzähle ich.
Trotz des ernsten Themas gibt es in »Weil ich gut bin!« auch Humor.
Das ist in den anderen Büchern und Filmen von mir ja auch so. Ich zeige sehr harte realistische Geschichten, die man ohne leichtere Momente überhaupt nicht ertragen könnte. Es gibt in meinen Büchern und Filmen immer eine Basis: Das ist die Wirklichkeit. Wir wissen, dass das alles wahr ist. Obwohl ich mein Publikum mit sehr schlimmen Sachen konfrontiere, kommt es aber nicht in eine depressive Gefühlslage. Ich erzähle immer von Menschen, die zwar in schwierigen Lagen sind, aber trotzdem noch Lebenswillen haben und Lebensmut.
Viele Ihrer Figuren erscheinen ja auch sehr sympathisch, auch wenn sie kleine Gauner sind.
Viele Erwachsene würden eigentlich sagen: Mücke müsste härter bestraft werden. Wenn sie den Jungen dann aber im Film erleben, dann dreht sich das. Dann denken sie: Der Junge braucht eine Chance, hoffentlich schafft er das. Man erwischt sich dabei, wie man beim Zugucken hofft, dass eine strafbare Handlung nicht aufgedeckt wird. Und deswegen sagen manche Leute: Das ist ja unmoralisch. Aber das ist natürlich Quatsch. Meine Filme haben eine ganz tiefe Moral. Sie machen nicht einzelne Figuren zum Bösewicht, das wäre zu einfach. Sie erzählen etwas über strukturelle Gewalt in der Gesellschaft.
»Ich erzähle immer von Menschen, die zwar in schwierigen Lagen sind, aber trotzdem noch Lebenswillen haben und Lebensmut«
Mit den Kategorien gut und böse kommt man da nicht weiter.
Stimmt. Sehen Sie, Bethke war ja mal ein Krimineller und ist jetzt die eigentlich positive Figur. Und das, obwohl wir merken: Er ist noch immer ein Luftikus, der immer spielt, die Sachen verzockt und es mit den Gesetzen nicht so genau nimmt. Und doch kapieren wir: Wenn es mehr Leute gäbe wie Bethke, sähe die Welt besser aus – nicht schlechter. Und wir verstehen: So einer wie Mücke kann mal einer wie Bethke werden. Wenn er auf einem guten Weg bleibt und nicht im Knast landet, könnte er später auch mal Jugendlichen helfen. Bethke ist die Spiegelung von Mücke, eine Vorstellung, wie er in dreißig Jahren sein könnte.
Welche Figur war zuerst da: Bethke oder Mücke?
Mücke war zuerst da. Den Lesern meiner Bücher ist er ja eine durchaus vertraute Figur. Eigentlich ist er der Sven aus »Svens Geheimnis« nur ein paar Jahre später. Und Sweta ist die Swetlana aus diesem Film, auch ein paar Jahre später. Ich habe mit mehr als zweihundert Schulklassen über »Svens Geheimnis« diskutiert und die Handlung im Laufe der Zeit immer weiter gedacht. Man kann allerdings nicht sagen, dass »Weil ich gut bin!« eine Fortsetzung dieses Films ist. »Svens Geheimnis« schafft vielmehr die Ausgangsbasis von »Weil ich gut bin!«.
Auch »Svens Geheimnis« entstand in Zusammenarbeit mit der WDR-Redakteurin Monika Paetzold. Da scheint sich ein eingeschworenes Team gefunden zu haben.
Meine Filme heben sich von der Masse der Unterhaltungsware weit ab. Da braucht man Komplizen, die bereit sind, das mitzumachen – das fängt bei der Redaktion an und hört bei der Produktionsfirma noch lange nicht auf.
Wie wichtig ist für Sie der Regisseur?
Ich diskutiere immer mit einer ganzen Reihe von Regisseuren, bevor wir entscheiden, wer den Film drehen soll. Mir ist sehr wichtig, dass der Regisseur meine Vision von dem Film teilt. Bei Miguel Alexandre habe ich sofort gemerkt, dass das der Fall ist. Und ich bin sehr glücklich darüber, wie er mein Drehbuch umgesetzt hat.
Es gibt noch einen anderen Grund, warum »Weil ich gut bin!« Ihnen ganz besonders wichtig ist.
Meine Tochter Maxi hat in dem Film ihre erste kleine Rolle. Sie spielt eine jugendliche Prostituierte auf dem Straßenstrich. Sie ist so kurz vor der Ausstrahlung des Films natürlich sehr aufgeregt, aber ich habe ihr schon gesagt: Das war ein guter Anfang.
























