Film
Die Abschiebung
Elke Stobbe, 18 Jahre, Schülerin, erklärt ihren Eltern: Ich habe einen Kurden geheiratet, damit er nicht in die Türkei ausgeliefert wird. Die Eltern sind entsetzt. Der Vater will die Ehe annullieren lassen und trifft sich mit dem Kurden Mahmut. Hier gerät sein Weltbild ins Wanken. Er muss mit ansehen, dass Türken wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden, erfährt, dass auf Mahmut in der Türkei der Tod wartet und er nur ein Asylrecht bekommt, wenn er verheiratet ist. Der Vater ist erstaunt über die Härte gegen die Asylanten, und sein Gerechtigkeitssinn erwacht. Etwas Neues triff in das Leben dieses pflichtbewussten Studienrates.
Für das Jugendmagazin »elan« schrieb der Autor Klaus-Peter Wolf, wie die Idee für sein packendes Buch entstand
»Eigentlich wollte ich mich an dem Abend vor der Friedensinitiative drücken. Ich war hundemüde und fühlte mich
erschlagen. Ich fuhr trotzdem hin, ein bisschen aus Pflichtgefühl, ein bisschen aus Gewohnheit. Noch nie hatte ich meine
ausländischen Freunde so freudestrahlend gesehen. Mahmut, der Kurde, erklärte mir, er müsste nicht mehr alle
14 Tage zur Ausländerpolizei, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, sondern nur noch alle acht Monate.
Stolz zeigte er mir das amtliche Dokument. Als ich den Text las, glaubte ich, für einen Moment in einen schlechten
Film geraten zu sein. Mahmut, für dessen Anerkennung als Asylant wir seit Monaten kämpften, zog mit dieser
Erklärung seinen Asylantrag zurück und versprach, binnen acht Monaten in seine Heimat zurückzufahren.
Er wusste nicht, was er da unterschrieben hatte. Seinem Freund, dem Türken Demir, ging es genauso. Sie lieferten
sich praktisch freiwillig den türkischen Behörden aus. Man hatte sie übel hereingelegt.
Die Formulare gab es natürlich nicht in Türkisch. Die Asylanten waren gewohnt, bei ihren Besuchen auf der Ausländerpolizei etwas zu unterschreiben. Sie freuten sich, weil sie etwas von acht Monaten Aufenthalt hörten, und verzichteten ohne ihr Wissen auf alle ihnen zustehenden Rechte eines Asylverfahrens. Mit meinen Informationen
gründeten Leute der Friedensinitiative ein Komitee zum Schutz der Asylanten. Wir machten ziemlich viel Wirbel.
Sorgten für Presseberichte. Ich vergrub mich immer mehr in die Asylantenarbeit, besucht Prozesse, sprach mit
Richtern, Anwälten und natürlich immer wieder den Betroffenen. Ich wollte meine Wut in eine Tat umsetzen. Ich schrieb
den Roman: Die Abschiebung oder Wer tötete Mahmut Perver.«
