Jens-Peter und der Unsichtbare

Jens-Peter und der Unsichtbare
in der Zeitmaschine

Jens-Peter und der Unsichtbare

Das hat Jens-Peter nun davon! Warum lässt er sich auch immer wieder von dem Unsichtbaren in ein Gespräch verwickeln, und ausgerechnet in der Geschichtsstunde bei der tollen Frau Katz. Zur Strafe muss er nun einen Aufsatz über das Ägypten zur Zeit des Pharao Cheops schreiben und das ist gar nicht so einfach. Doch da hat der Unsichtbare eine seiner ganz verrückten Ideen: »Lass uns doch einfach hinfahren. Mit meiner Zeitmaschine!«

1 Wolke spinnt

Jens-Peters Lieblingslehrer, Herr Mäuschen, eröffnet die Besprechung. Es sieht gemütlich aus im Lehrerzimmer. Jeder hat einen Kaffeetopf vor sich stehen. Die alte Kaffeemaschine bluhbert und spuckt fast unanständig. Mäuschen schlägt vor jetzt über die nächsten Klassenarbeiten zu reden. Er will einen Aufsatz über die Nordsee schreiben lassen. In jedem Fach soll deshalb etwas über die Nordsee durchgenommen werden. Neben Frau Katz, der neuen Lehrerin, sitzt Herr Wolke, der einmal fast an einer Olympiade teilgenommen hätte, aber dann doch lieber Sportlehrer geworden ist. Es riecht ein bisschen muffig, denn Herr Wolke hat wie immer seine Turnschuhe unter dem Tisch ausgezogen. Die anderen kennen das schon. Deshalb setzen sie sich immer extra weit von Wolke weg. Oder, wie Herr Mäuschen, gleich ans offene Fenster. Frau Katz hatte keine Ahnung. Jens-Peter und der Unsichtbare in der Zeitmaschine - Wolke spinntAber sie wird sich nie wieder so nah zu Wolke setzen. Jetzt tupft sie sich Parfüm hinters Ohr, auf den Pulli und unter die Nase. Es hilft. Sie schafft es sogar, Herrn Wolke anzulächeln. Der freut sich und überlegt, ob er die neue Kollegin zum Essen einladen soll der besser ins Kino. Herr Mäuschen probiert ein Stück Nusskuchen. Frau Katz hat ihn selbst gebacken. »Wir werden sicherlich gut zusammen arbeiten«, sagt Herr Mäuschen. »Aber über eins muss ich Sie noch aufklären.«
Er sitzt jetzt ganz nach vorn gebeugt auf dem Stuhl, so als müsse er aufpassen, ja nichts Falsches zu sagen. Herr Wolke guckt schon ganz kritisch. »Also … ähm … wir haben hier an unserer Schule einen schwierigen Schüler. Er heißt Jens-Peter.«
»Was meinen Sie mit schwierig?«, fragt Frau Katz.
Herr Mäuschen wirft sich die strohblonden Haare nach hinten. Er holt weit aus.
»Nun, er ist ein netter Junge. Aber eben ein bisschen schwierig.«
Herr Wolke verdreht die Augen. »Schwierig? Ein Irrer ist er. Ein ganz und gar Irrer. Der gehört gar nicht auf unsere Schule.« Mäuschen protestiert. Er mag Jens-Peter.
»Nein. Er ist nicht wirklich irre. Er glaubt nur, dass es einen Unsichtbaren gibt, mit dem er sich unterhalten kann.«
»Eben. Er ist völlig irre.«
»Nur du bist ganz normal, ja?«,
flüstert eine Stimme in Wolkes Ohr. Wolke schaut sich um, von wem diese Frechheit kommt. Aber er kann niemanden entdecken. Er könnte schwören, dass es die Stimme von Jens-Peter war. Wolke kann Jens-Peter nicht leiden. Letzte Woche, als Wolke in Jens-Peters Klasse Vertretung für Herrn Mäuschen machen musste, hat er ihn doch tatsächlich beim Kartenspielen erwischt. In seinem Unterricht! Siebzehn und vier! Er hat Jens-Peter natürlich die Karten sofort abgenommen. Nach seinem letzten (und einzigen) Besuch im Spielkasino kann Herr Wolke Spielkarten nicht mehr ausstehen. Nach der Schulstunde musste Wolke die Karten allerdings zu seinem großen Bedauern wieder herausrücken.
»Er hört einen Unsichtbaren, wie süß!«, ruft Frau Katz. »Als ich klein war, ging es mir genauso. Ich habe ihn den Flüsterer genannt. Er hat mich dazu gebracht, unanständige Worte zu sagen.«
»Mein Gott, was für eine dämliche Tussi«, denkt Wolke.
»Vielleicht sollte ich sie doch besser nicht ins Kino einladen« Mäuschen findet das interessant. »Sie hatten also als Kind auch einen Unsichtbaren?«, fragt Wolke spitz. Er zieht dabei die Augenbrauen hoch.
»Klar, Stinker, das hat doch jeder, bloß du nicht.«
Wolke führt zusammen. Er springt auf. Das ist die Stimme von Jens-Peter, er hat es genau gehört!
»Jens-Peter ist hier im Raum!«, brüllt Wolke.
»Er bespitzelt unsere Besprechung!«
»Aber ich bitte Sie, Herr Wolke. Warum sollte Jens-Peter das tun?«
»Na, um die Fragen für die Klassenarbeit zu erfahren, Sie Traumtänzer!«, schnauzt Wolke.
Mäuschen nimmt Jens-Peter in Schutz. »Aber ich bitte Sie, so etwas würde der Junge doch nie machen. Außerdem, sehen Sie sich doch um. Wir sind allein.«
Misstrauisch guckt Wolke in alle Ecken. Sogar im Papierkorb schaut er nach. Als er sich darüber beugt, flüstert eine Stimme: »Hier ist keiner.«
Wolke schreckt zurück. Für heute meldet er sich krank. Er ist überarbeitet. Jeder kann das sehen. Er ist so durcheinander, dass er das Lehrerzimmer auf Socken verlässt. Im rechten ist ein Loch. Aber nur ein ganz kleines. …

Pressestimmen

»Sofort gewann er die Herzen aller, als er sein Buch aufschlug.«Kinderbuch-Autor in der Südensee-Schule zu Gast – Flensburger Tageblatt – 17.11.2004

»Was für ein Schriftsteller!«von Ulrich Adolphs – Frankfurter Allgemeine Zeitung – 20.10.2000

»Markant sein kleines Zöpfchen an der rechten Seite, Vollbart und dazu dies schelmische Lachen. Klaus-Peter Wolf freut sich diebisch beim Zuschauen in der Aula der Orientierungsstufe Ost. Dort proben Sechstklässler an der letzten Fassung ihrer Inszenierung von Wolfs Erfolgsstücken aus der ›Jens-Peter und der Unsichtbare‹-Reihe.«Hildesheimer Allgeneine Zeitung – 15.5.2004

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Buch 84