Jens-Peter und der Unsichtbare

Jens-Peter und der Unsichtbare
in der Torte

Jens-Peter und der Unsichtbare

Ausgerechnet ein Selbstversuch von Jens-Peters Lieblingslehrer Mäuschen bringt den Unsichtbaren auf eine folgenschwere Idee: Er überredet Jens-Peter das gesamte Haus mit dreisten Anti-Raucher-Sprüchen zu plakieren. Eine Katastrophe bahnt sich an, als Papa seine wichtigste Kundin, eine Managerin aus der Zigarettenindustrie, nach Hause einlädt. Jens-Peters Mama erlebt derweilen das schlimmste Entspannungsbad ihres Lebens. Und Jens-Peter kämpft mit allen Mitteln um die Liebe von Julia, um ein neues Fahrrad und um seine Versetzung – der Unsichtbare ist ihm natürlich dabei nicht immer eine große Hilfe.

1 Keine Gnade für Raucher

Jens-Peter kann es kaum glauben. Sogar der Unsichtbare hält für einen Moment staunend die Luft. Jens-Peters Lieblingslehrer, Herr Mäuschen mit den goldblonden Haaren, zündet sich vor der Klasse eine Zigarette an und bläst den Qualm zur Decke.
»Als ich neulich auf dem Klo geraucht habe, musste ich dieses doofe Gedicht zehnmal abschreiben. Das von dem Goethe oder Schiller, oder wie der Kerl heißt!«, zischt Gert in Julias Richtung. Aber Julia beachtet ihn nicht. Mit offenem Mund guckt sie Herrn Mäuschen an. Herr Mäuschen nimmt den Mund voll Rauch. Dann hält er sich ein Papiertaschentuch vor die Lippen und pustet den Qualm hindurch. »Ich wusste, dass der eines Tages völlig durchknallt«,lacht der Unsichtbare in Jens-Peters Ohr.
»Der landet noch mal in der Zwangsjacke. Hab ich doch von Anfang an gesagt.«
Der Kopf von Herrn Mäuschen verschwindet im Rauch. Er schüttelt das Taschentuch aus und vertreibt so den Qualm. Dann hält er das Tuch hoch. In der Mitte ist ein großer brauner Fleck zu sehen. Mäuschen ist von sich selbst begeistert.
»Seht ihr«, ruft er, »seht ihr diesen braunen Fleck?« Alle Schüler nicken. »Ruf den Arzt, Jens-Peter. Mäuschen ist erledigt. Er braucht eine Spritze für die Nerven.« Jens-Peter und der Unsichtbare in der Torte – Keine Gnade für Raucher »Halt den Mund!«, zischt Jens-Peter zum Unsichtbaren.
Mäuschen verkündet: »Jetzt werde ich einen Lungenzug machen und den Rauch durch ein anderes Taschentuch ausatmen. Was glaubt ihr, was dann passiert?«
»Blöde Frage. Es ist auch versaut. Sag ihm, er soll es bleiben lassen.«
Jens-Peter hört nicht auf den Unsichtbaren. Man kann ihn nicht sehen. Und wenn man auch nicht auf ihn hört, ist er praktisch nicht da. Verschwunden. Weg. Futsch. Mäuschen bläst den Rauch aus der Lunge durch das Tuch. Dabei hustet er. Denn als Nichtraucher ist er Zigaretten nicht gewöhnt. Der braune Fleck in dem zweiten Papiertaschentuch ist viel kleiner und nicht so dunkel wie in dem ersten. Natürlich will Herr Mäuschen von seinen Schülern wissen, warum. Als sich kein Finger hebt, beantwortet er die Frage selbst.
»Das Braune hier ist Teer. Der Teer, der hier fehlt, den habe ich jetzt in der Lunge.«
»Ich sag doch, du sollst einen Arzt rufen, Jens-Peter. Einen Arzt!«
Julia ist von dem Versuch echt beeindruckt. Sie strahlt Mäuschen an. Der drückt seine Zigarette aus und behauptet: "Wenn jemand am Tag zwanzig Zigaretten raucht, dann bleibt im Jahr eine ganze Tasse Teer in seinen Lungen hängen. Die Lungenbläschen verkleben. Davon kriegt man Raucherhusten."
Mäuschen lächelt zufrieden. Er hofft heute einige Schüler zu Nichtrauchern erzogen zu haben. Er selbst hat fast fünfzehn Jahre geraucht. Jetzt rechnet er den Schülern vor, wie viel Geld das bisher gekostet hat. »Rund fünf Mark am Tag. 1800 Mark im Jahr. 27000 Mark in fünfzehn Jahren.«
Als Jens-Peter von der Schule nach Hause geht, weiß er eins ganz genau: Sein Papa wird aufhören zu rauchen. Noch heute. Und er, Jens-Peter, wird ihm dabei helfen.
»Sag mal«, fragt Jens-Peter den Unsichtbaren, "was meinst du, warum mein Papa raucht?"
»Na, weil er bescheuert ist, natürlich, wie alle Sichtbaren. Ich meine, kein Unsichtbarer würde rauchen.«
»Ja, aber ihr esst auch nichts. Ihr trinkt nichts. Ihr nervt nur rum. Nichts weiter.«

Pressestimmen

»Sofort gewann er die Herzen aller, als er sein Buch aufschlug.«Kinderbuch-Autor in der Südensee-Schule zu Gast – Flensburger Tageblatt – 17.11.2004

»Was für ein Schriftsteller!«von Ulrich Adolphs – Frankfurter Allgemeine Zeitung – 20.10.2000

»Markant sein kleines Zöpfchen an der rechten Seite, Vollbart und dazu dies schelmische Lachen. Klaus-Peter Wolf freut sich diebisch beim Zuschauen in der Aula der Orientierungsstufe Ost. Dort proben Sechstklässler an der letzten Fassung ihrer Inszenierung von Wolfs Erfolgsstücken aus der ›Jens-Peter und der Unsichtbare‹-Reihe.«Hildesheimer Allgeneine Zeitung – 15.5.2004

Mehr aus der Serie

Buch 75