Drei tolle Nullen

Dunkler Verdacht

Drei tolle Nullen

Bastel-Oskar, Angel-Olaf und Chaos-Olli sind empört. Solche fiesen Anschläge lassen sie sich nicht anhängen! Lehrer Lohmann findet sein Auto mit vier platten Reifen vor, und Nußbaums Karosse wird mit Lackfarbe übergossen.
Als dann auch noch ein Attentäter versucht, Olafs Pracht-Piranhas zu vergiften, sehen die »Drei tollen Nullen« rot. Sofort heften sie sich auf die Spur der finsteren Bande »Schwarze Rose«.

1

Achim lässt sich nicht abwimmeln. Er radelt neben Angel-Olaf durch den Park und fordert trotzig:
»Ich will aber bei den Drei tollen Nullen Mitglied werden.«
Genervt hält Olaf an und sieht Achim in die Augen. »Das geht nicht. Kapierst du das nicht?«
»Natürlich geht es. Warum denn nicht?«
Olaf guckt in die Wolken, als müsse er den Himmel für diese dumme Frage um Verzeihung bitten.
»Weil wir die 'Drei tollen Nullen' heißen und nicht die 'Vier trüben Tassen'.«
Dieses Argument lässt Achim nicht gelten. Er zieht einen Schokoladenriegel aus der Tasche und hält ihn Olaf hin.
»Möchtest du?«
Olaf merkt als alter Angler sofort, wenn ein Köder ausgeworfen wird. Aber Olaf beißt nicht an. Er ist schließlich nicht so blöd wie der Hecht, den er neulich mit einer alten Bratwurst überlisten konnte.
»Nein, Achim. Einkaufen kann man sich bei uns schon gar nicht.«
»Ich will aber bei euch Mitglied werden. Ich will! Ich will! Ich will!«
»Wie stellst du dir das überhaupt vor? Mitgliedsausweise gibt es bei uns nicht. Auch keine Mitgliedsbeiträge und keine Vorstandssitzung. Wir haben nicht einmal einen Boss. Wir sind einfach nur Freunde. Richtige Freunde. Verstehst du das? Wir teilen alles. Unseren Kummer, unsere Freude, unseren Kaugummi …«
»Und eure Freundin!« ergänzt Achim mit Glanz in den Augen.
Darauf geht Olaf nicht ein. Er weiß, wie sehr sich die ganze Klasse - ach, die ganze Schule - darüber aufregt. Zwei Jungen und ein Mädchen, das geht doch nicht. Zwei Mädchen, die ein und denselben Jungen lieben, das könnten die meisten noch verstehen. Aber zwei Jungen und ein Mädchen? Wie soll Olaf es erklären? Er versteht es selbst nicht. Es ist eben so. Für Liebe und Freundschaft gibt es keine Argumente.
»Ihr geht doch beide mit ihr - stimmt's, oder hab ich recht?« hakt Achim nach.
»Ach - ich verstehe, und du denkst, wenn du bei uns noch mitmachst, dann geht sie auch mit dir, oder was?« lacht Olaf spöttisch.
Langsam glaubt er, Achims wahre Absichten zu durchschauen.
»Schlag es dir aus dem Kopf, Achim. Die Sache läuft nicht. Du kannst gern ab und zu bei uns mitmachen. Aber richtig dazugehören wirst du nie.«
»Warum nicht? Hältst du mich auch für einen blöden Streber?«
Abwehrend hebt Olaf eine Hand. Er tut so, als sei es ihm egal, aber in Wirklichkeit macht es ihn mächtig sauer, dass Achim in allen Fächern der Beste sein muss.
»Mein Notendurchschnitt ist Eins Komma eins.«
»Ich weiß. Du stehst in allen Fächern auf Eins. Nur in Deutsch hast du eine Zwei.«
»Zwei plus!« ergänzt Achim.
»Und warum lässt du dann nie jemanden abschreiben? Warum hilfst du einem nie weiter, wenn man etwas mal nicht verstanden hat?«
Achim schluckt. »Weil das ungerecht wäre.«
»Ungerecht?«
»Ja. Die Noten sollen zeigen, wer der Beste ist und wer der Schlechteste. Wenn ich allen helfe, besser zu werden, schneide ich schlechter ab.«
»Du meinst: Der Gute braucht, um gut zu sein, die Schlechten?«
»Na klar. Wenn alle gut sind, bringt das nichts mehr.«
»0 Mann! Du hast Ansichten!« stöhnt Olaf.
Unbeirrt führt Achim fort: »Der Starke ist nur dort stark, wo auch Schwache sind.«
Jetzt hat er es geschafft. Olaf ist echt sauer.
»Na klar«, zischt Olaf, »und damit es richtig Spaß macht, reich zu sein, müssen andere im Elend darben, oder was?«
Achim nickt, obwohl er weiß, dass damit seine Chance, auch eine »tolle Null« zu werden, von »unmöglich« auf »völlig unmöglich« sinkt. Olaf lässt ihn einfach stehen und radelt nach Hause. Er muss seine Aquarien säubern. Die Scheiben setzen Algen an. Heute wird bei den Füllers nicht gekocht. Olaf hat Geld in der Tasche. Er soll unterwegs essen. Er lässt es sich auf dem Heimweg an einer Imbissbude schmecken. Pommes rot-weiß. Während er sich die fettigen Kartoffelstäbchen in den Mund baggert, denkt er über das Gespräch mit Achim nach. Wenn die Menschen auf der ganzen Welt satt würden, denkt er, schmeckten mir die Pommes noch mal so gut. Er bestellt sich eine zweite Portion. Dann …

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Buch 72