Buch
Dosenbier und Frikadellen
Dies ist die Geschichte einer Gruppe Jugendlicher, die sich ihre eigenen Gesetze gegeben hat: von ihrem zusammenleben, ihren wilden Überfällen und ihrem verzweifelten Kampf ums Überleben.
Achim ist stolz. Er ist endlich Mitglied der Gang um den Boss EI Ringo, die nach ihren eigenen Gesetzen lebt und sich von prügelnden Eltern oder Sonderschullehrern nichts sagen lässt. Die haben was zu trinken und die machen Stimmung. Und die Frauen bei denen sind nicht so zickig. Jetzt kann er beweisen, dass auch er ein ganzer Kerl ist. Da lassen sich der Rausschmiss aus der Lehre, die enge Wohnung zu Hause und der Suff des Vaters besser ertragen. Doch die Gruppe, die nach außen wie Pech und Schwefel zusammenhält, hat Probleme. Und es werden immer mehr. Ina und Achim müssen sich vor ihren Eltern verstecken und werden polizeilich gesucht. El Ringo gerät in ernsthafte Schwierigkeiten mit dem Gesetz. Lee stiehlt das falsche Motorrad und hat dadurch die brutale Rockerbande Freeway Riders auf dem Hals. Und bei allem stellt sich die Frage, wo man am nächsten Tag Geld für etwas zu essen hernehmen soll.
Der legendäre Rockerroman »Dosenbier und Frikadellen« ist endlich wieder lieferbar. Klaus-Peter Wolf lebte zwei Jahre mit einer kriminellen Jugendbande und schrieb darüber dieses Buch. Es ist die Geschichte einer Gruppe Jugendlicher, die sich ihre eigenen Gesetze gegeben hat: Von ihrem Zusammenleben, ihren wilden Überfällen und ihrem verzweifelten Kampf ums Überleben.
Leseprobe
1
Wenn du bei uns mitmachen willst, merk dir eins: Wir halten
zusammen. Halten dicht. Alle. Wenn einer Zoff kriegt, hauen alle
drauf. Und ich bin der Chef. Nicht, weil ich was in den Armen hab,
sondern weil ich besser quatschen kann. Da macht keiner was dran.
Klar? Was ich sage, das zählt. Ich rede, wenn die Bullen kommen,
wenn was zu machen ist. Ich und nur ich. Du darfst Boss zu mir
sagen, Boss oder El Ringo. Und damit du's weißt: Wir teilen alles.
Kies, Schnaps, alles. Die Mädchen auch. Klar? Aber da musst du
aufpassen, dass du nicht an die belegten Brötchen gehst. Das gibt
Stunk.
Aber woher weiß ich …?
Frag nicht, das siehst du bald. Wenn du eins vor die Musikbox
kriegst, weißt du, was los ist. Die Gina zum Beispiel und die Lona
und die Bibi, die sind fest. Da machste dich nicht dran. Alles andere
ist okay. Aber ohne Maschine kannste unmöglich mitmachen. Das
läuft wirklich nicht. Ne Kiste musste dir besorgen, da führt nix dran
vorbei.
Und die Kohle?
Kohle? Kohle! Wenn du dir alles kaufen willst, dann kannste gleich
aufgeben. Ne richtige Karre, die kostet 'n paar Riesen. Was verdienste denn in der Lehre? Na los, wie viel?
Bin rausgeflogen. Schon vor drei Wochen.
Deine Alten wissen natürlich nix, oder?
Nee, bis jetzt noch nicht.
Ist auch egal.
El Ringo, der Boss, zieht seine abgeschabte Lederjacke zu, fummelt
die Handschuhe aus dem Inneren des Motorradhelms, setzt ihn
schnell auf, knöpft den Riemen unter der Kinnspitze zu, stülpt die
Handschuhe über die Finger und schwingt sich auf die blank polierte
Honda.
Er überprüft noch einmal den Sitz des Helms, nickt dann seinem
neuen Kumpel zu. Der Neue darf sich setzen.
Schön fest halten, sagt El Ringo väterlich. Denn er kümmert sich um
die Leute seiner Gruppe. Dann heult der Motor dröhnend auf.
El Ringo gibt Gas, kuppelt, beschleunigt. Der Knabe hinter ihm
bekommt kalte Ohren. El Ringo schneidet die Kurven, als wäre die
gesamte Polizei des Kaffs hinter ihm her. Doch El Ringo will nur
testen, wie sattelfest der Neue ist. Milchmädchenknaben kann er
nicht gebrauchen, und wer einmal dabei ist, der ist dabei. Jetzt kann
der Neue noch abspringen. Wenn er Muffe kriegt oder kotzen muss,
kann er gleich gehen. Dann wird nichts aus dem Rest.
Achim kneift die Augen zusammen und hält sich an dem Fahrer fest.
Er umklammert El Ringos Bauch. Das mag der Boss zwar nicht, aber
er sagt nichts. Schließlich ist Achim noch neu, und da darf er sich
gewisse Schoten leisten.
Das wird sich abschleifen, denkt El Ringo.
Wenn die aus meiner alten Klasse mich so sehen könnten, denkt
Achim, das wär fantastisch. Und wenn ich erst die richtigen Klamotten hab, bin ich wirklich dabei. Dann guckt mich keiner mehr schräg
an, denn der Clan hält zusammen. Die lassen nicht zu, dass man mir
ans Leder geht. Und die schlaffen Zeiten sind auch vorbei. Jetzt ist
endlich was los.
Die haben was zu trinken, oder sie wissen, wo sie es besorgen
können, die machen Stimmung. Und die Frauen bei denen sind nicht
so zickig. Die lassen sich schon mal anfassen, wollen einen nicht
gleich ihren Eltern vorstellen. Das wird ein Leben. Jetzt fängt der
Spaß erst richtig an. Endlich!
2
Gina sitzt vor dem Spiegel und überprüft kritisch ihren Lidstrich.
Sie lässt ihn, wie er ist. Dann der Lippenstift. Sie hat zwanzig oder
dreißig verschiedene Farbnuancen. Irgendwann war El Ringo ihr
Gejammere, der Lippenstift passe nicht zum neuen Nagellack, auf
die Nerven gegangen, und er besorgte ihr einen ganzen Karton
voller Lippenstifte. Solche Dinge waren für El Ringo eine Kleinigkeit, darüber verlor er kein Wort. Er hatte den gewünschten Karton
mitgehen lassen, und damit fertig.
Aufmerksam verfolgt Ina die Arbeit von Gina. Mensch, ich hätte
auch Bock, mich jetzt aufzuputzen, so wie du.
Meinetwegen, sagt Gina und wirft Ina den Schminkbeutel hin. Ina
fängt ihn auf und legt ihn vor sich auf den Tisch. Sie blickt zu Gina.
Nee, lieber nicht. Hab ich schon einmal gemacht. Das war damals, wo
ich mit dem blauen Auge kam, weißt du noch ? Mein Gott hat mich
mein Alter vermacht. Flittchen, meine Tochter ist kein Flittchen hat
er geschrien und mir eins in die Fresse gehauen. Sogar die Strümpfe
hat er mir abgenommen, das versoffene Schwein.
Damals warst du erst zwölf, nich?
Na und? Wenn ich in der Schule die Treppen hochging und meinen
Rock anhatte, du weißt schon, welchen ich mein', dann standen
Lehrer da mit Stielaugen und guckten.
Gina lacht. Du bist 'ne Nummer. Gehst du eigentlich mit einem fest?
Nö. Ich bin nur immer so mit dabei. Du weißt schon.
Gina lacht übertrieben. Der Lippenstift färbt auf die Zähne ab.
Solange du mir den Ringo nicht ausspannst ist es mir gleich.
Bist du mir etwa böse, wegen neulich auf der Fete?
Nee, was denkst du. Ich hab nichts dagegen, wenn der sich mal austoben will. Soll er. Solange es nur Mädchen aus der Gruppe sind. Aber
wenn ihn mir eine echt wegschnappen wollte, würde ich zum Tier.
Versteh ich. Ist auch 'n dufter Kerl, der Boss.
Das will ich meinen. Der lässt nie jemanden hängen. Wenn du den
brauchst, ist er da. Und Muffe hat er nie. Als ich so alt war wie du, da
hat der mal einen Lehrer verdroschen. Auf dem Schulhof, mitten in
der Pause. Das war 'ne Sache. Meine Alten sind nie zur Schule gegangen, wenn ich Ärger hatte. Immer nur der Ringo. Wenn ich nachsitzen musste, kurvte der unten mit seiner Maschine rum. Das war damals so 'ne geklaute BMW. Die machte einen Mordslärm. Dann
wusste ich immer, dass er da war. Und dann konnte mir keiner was,
und ich hatte keine Angst. Auch nicht vor dem Direx.
Gina schraubt den Lippenstift wieder zusammen.
Tja, sagt Ina, der ist schon okay, der Boss. Da kannst du froh sein,
dass du den hast.
Gina steht auf, geht zum Schrank, öffnet ihn mit einer einladenden
Geste und sagt: Zieh dir was Vernünftiges an, wenn wir heute im
Klub einen neuen Macker aufnehmen, kannst du nicht wie Aschenbrödel rumlaufen. Hättest ruhig deinen Rock anziehen können. Wir
fahren heute doch nicht rum. Wird nur 'ne stille Fete.
Gina nimmt einen Rock aus dem Schrank, hält ihn hoch und begutachtet ihn scheinbar skeptisch, dann wirft sie ihn vor Ina auf den Tisch. Da,
zieh meinen an, der ist gut. Strumpfhosen sind da im Regal.
Schnell streift Ina sich die Jeans ab und steigt in den Mini. Längst
aus der Mode, sagt Gina, aber macht die Typen immer unheimlich
an. Geht nix über Mini, das sag ich dir.
Richtig, erwidert Ina. Sie zupft den Rock glatt, dreht sich einmal um
sich selbst, setzt sich dann, schießt die zu hohen Schuhe in die Ecke,
rollt die Söckchen runter, knubbelt sie ineinander und steckt sie in
die Tasche der Jeans.
Während sie sich langsam die Strumpfhose anzieht, jeden Zentimeter Nylon genießt und stolz ihre Beine betrachtet, spottet Gina:
Schon fast Vierzehn und noch Ringelsöckchen. Könnte an jedem
Nagel einen Freier haben und hat Muffe vor dem Alten. Wenn wir
uns um dich nicht kümmern, wird aus dir mal 'ne ganz schrullige
alte Tante.
Ina hört kaum zu. Sie ist zu sehr mit der Nylonstrumpfhose beschäftigt.
Da hängt für sie 'ne Menge dran, denkt Gina und sagt: Jetzt mach
schon. Oder biste nicht neugierig auf den neuen Macker?
3
Bibi räumt den Schuppen auf. Sie pustet den Staub von den Schallplatten, fegt die Asche vom Fußboden auf und lüftet den Laden.
Wenn sie es nicht tut, macht es keiner.
Die anderen, sagt Bibi oft, könnten im Deck ersticken und würden
es nicht merken. Nur ihre Maschinen, die halten sie gut in Schuss.
Erst kommen die Maschinen, dann die Frauen. Bibis Augen tränen ab
und zu, denn sie hat sich vor kurzer Zeit Kontaktlinsen für die Augen
gekauft. Die Brille störte zu sehr. Beim Knutschen und überhaupt. Ein
Rockergirl mit Brille, das läuft nicht, sagen die anderen. Was die anderen sagen, ist für Bibi sehr wichtig. Wegen der anderen hat sie sich auch
die Zöpfe abschneiden lassen und läuft jetzt mit einem Rattenkopf rum.
Ihre Mutter heulte, als sie ihre Tochter so sah: Die schönen Zöpfe!
Bibi ist das egal. So ziemlich wenigstens. Es zählt nur, was die in
der Gruppe sagen, die Exies sind mir schnuppe, denkt Bibi. Ich hab
hier mein Zuhause. Man gehört nicht dahin, wo man geboren wurde,
man gehört dahin, wo man geliebt wird.
Bibi legte eine der LPs auf. Die anderen hören fast immer harte
Sachen. Bibi ist mehr für sanftere Musik.
Sie sieht die leeren Bierkästen und fragt sich, wer heute neuen Stoff
anschleppen wird.
Sie erkennt Micks Maschine sofort. Schnell schließt sie die kleinen
Fenster. Mick mag keinen Durchzug. Er hat es lieber warm stinkig
warm. Wie immer tritt Mick die Tür mit der Hacke auf.
Hallo, sagt Mick. Am Putzen?
Ja, warum?
Mick grinst. Hab Pullen mitgebracht. Auch Likör für Gina und dich.
Astrein. Ich dachte schon, das wird sonst ein trockener Abend. Aber
bei uns nicht, Mädchen.
Mick stellt die Flaschen auf den Boden. Bibi kniet sich vor den Alkoholvorrat und nimmt jede Flasche einzeln in die Hand.
Kirsch. Stark. Den mag die Gina auch so gerne.
Mick lehnt sich mit dem Rücken an die Wand und fischt den schwarzen Tabaksbeutel aus der Tasche, um sich eine Zigarette zu drehen.
Machste mir auch eine? Bibi wirft ihm einen flüchtigen Blick zu. Mick
streckt die Beine aus, stemmt sich gegen die Wand und rutscht langsam daran runter, bis er am Boden sitzt. Das macht er immer so. Das
hat er lange geübt. Das sieht unheimlich cool aus, findet er. Wenn neue
Mädchen im Schuppen rumhängen, und noch nicht wissen, wie hier der
Hase läuft, dann fixiert er sie, dreht sich betont gleichgültig eine Zigarette und rutscht langsam an der Wand runter. Wenn er sitzt, hält er die
selbst Gedrehte dem Mädchen hin. Wortlos, einfach so. Wenn die Puppe
dann anspringt und zu ihm kommt, um sich den Stängel zu holen, dann
grinst Mick, denn er hat gewonnen. Er wartet, bis sie nach der Zigarette
greift, dann haut er ihr mit seinen Beinen die Knochen weg. Die Knochen weghauen, so nennt er das, wenn das Mädchen durch einen wuchtigen Stoß gegen beide Schienbeine das Gleichgewicht verliert und auf
den Boden fällt. Er beherrscht das Spielchen exakt. Er weiß vorher, wo
die Kleine landet. Mick empfängt sie mit beiden Armen, mildert den
Fall, drückt sie dann an sich, sucht ihren Mund, dreht sich zur Wand
und klemmt sein Opfer zwischen Wand, Boden und seinem Körper ein.
Auf diese Weise ist er schon zwischen viele Schenkel gekommen.
Bibi kennt das. Aber es macht ihr nichts aus. Mick ist nicht gewalttätig. Im Gegenteil – er kann sehr zärtlich sein, und er schnurrt wie
ein Kater, wenn man ihn im Nacken krault.
Diese Methode, Mädchen anzumachen – warum nicht? Mick quatscht
wenigstens nicht erst dummes Zeug von Liebe und so. Bibis Augen
werden wieder feucht. Scheiß Kontaktlinsen. Mick will ihr mit dem
Finger eine Träne abwischen, aber Bibi wehrt ab.
Denk bloß nicht, dass ich heul! Is' nämlich nur wegen der Kontaktlinsen. Ich hab die schon wieder zu lange drin. Ein Mist ist das.
Mick mag Mädchen, die schnell weinen. Es fühlt sich dann so
männlich. Irgendwie überlegen. Diese kaltschnäuzigen Studentenweiber mag er nicht. Bibis Tränen sind im Augenblick nicht echt, und
Mick kann die Kleine nicht trösten, aber sie stimuliert ihn trotzdem.
Er streicht Bibi über die Haare, und spielt mit den braunen Locken.
Bibi versucht, verliebt auszusehen. Aber da sie immer nur den Versuch macht, wie ein Filmstar auszusehen, wenn sie jemanden anhimmelt, sieht es blöd aus, wie nachgemacht, dumm.
Mick lacht spöttisch.
Bibi ist wütend auf ihn. Sie steht auf und geht zu dem Schallplattenapparat. Mick richtet sich langsam wieder auf und stelzt hinter ihr her.
Nu mach kein Scheiß. Er will sie umarmen und an sich ziehen, aber
als er sie anfasst, weicht sie zurück.
Lass mich. Bibi zuckt hilflos mit den Schultern.
Mick hat keine Lust, sich mit ihr rumzuärgern. Er knallt ihr eine
Hand auf die Arschbacken und sagt wütend: Leck mich doch! Und
dann geht er zur Tür hinaus.
Machs dir selber! schreit Bibi hinter ihm her und streckt die Zunge
raus.
Mick sieht es nicht. Er dreht sich nicht mehr um. Er dreht sich nie
nach jemandem um. Wenn er geht, geht er stur weiter.
Bevor die anderen alles aussaufen, zieh ich mir eine Pulle an Land,
denkt Bibi. Sie nimmt sich einen Flasche Kirsch, dreht den Verschluss
auf, trinkt einen Schluck, schraubt die Flasche sorgfältig wieder zu
und versteckt sie zwischen zwei Matratzen. Dort findet sie auch noch
eine angebrochene Packung Zigaretten. Sie steckt sich eine Zigarette
zwischen die Lippen und zündet sie an. Dann geht sie zum Plattenspieler und legt eine Platte von Elvis auf. Sie dreht den Lautsprecher voll
auf. Elvis kann für sie nicht laut genug sein. Im Grunde mag sie diese
Art von Musik nicht. Aber wenn man sie oft genug hört …
Sie stellt sich breitbeinig vor den Plattenspieler, schließt die Augen,
inhaliert den Zigarettenrauch, wiegt sich im Rhythmus der Musik,
zerwühlt sich die Haare und fühlt sich mit der Welt eins. Mick sieht
ihr durchs Fenster zu. So gefällt sie ihm. Biegsam, geschmeidig, ganz
dem Rhythmus hingegeben. Scheinbar hat sie nicht bemerkt, dass er
mit seiner Maschine nur zur Beruhigung eine Runde um den Schuppen gefahren ist.
Mick tigert in den Schuppen zurück. Bibi bemerkt ihn nicht. Sie
ist ganz in sich, hat nur noch den Qualm der Zigarette und den
Elvis-Sound im Kopf.
Mick steht in der Tür, sieht ihren Hintern kreisen, wiegt sich dann selber
im Takt, wackelt langsam von hinten an sie ran. Dann berühren sich ihre
Körper. Scheinbar gleichgültig tanzt Bibi weiter. Sie öffnet nicht einmal
die Augen. Micks Nähe tut ihr jetzt wohl. Ihr Gefühl kann nur noch
gesteigert werden. Egal, ob Mick es ist oder einer von den anderen.
Mick drückt sich fest an Bibis Körper und vollzieht ihre kreisenden
Bewegungen mit. Er will sie jetzt nicht aus dem Takt bringen.
Bibi reibt ihren Hintern an Micks Reißverschluss. Micks Hände
machen sich selbstständig, reiben, kneten, streicheln, wühlen sich
durch Stoffe, Gummiband und Hosenbund in die enge Jeans hinein.
Nachdem der Knopf geschafft ist, platzt der Reißverschluss fast von
alleine auf. Mick wischt mit seinen nervösen Fingern durch die feuchte
Stelle zwischen ihren Schenkeln. Schon lange hat sich der Rhythmus
der Musik geändert, doch Mick und Bibi behalten ihren Takt bei. Bibi
schnippt die halbgerauchte Zigarette in die Ecke, dort glimmt sie auf
dem Boden weiter. Noch hat Bibi die Augen fest geschlossen. Gleich
wird sie merken, wer hinter ihr ist. Sie könnte wetten, es ist Mick.
Vielleicht auch Lee, dessen Maschine mal wieder kaputt ist. So müsste
man leben, denkt Bibi, leben und genießen, ohne erst zu fragen.
v
Die Jeans und der Slip hängen zwischen ihren Knien. Mick versucht
sich mit einer Hand seine Hose abzustreifen. Bibis Hände formen
irreale Figuren in der Luft.
Lässt einen einfach machen, hilft kein bisschen mit, denkt Mick verwirrt und nestelt an seiner Hose rum, ohne seine rechte Hand von
Bibis Schenkeln zu nehmen.
Kaum hat Mick seine Hose geöffnet, da hört er schon die Maschinen der anderen. Sie stehen alle vor dem Schuppen. Durch die laute
Musik konnten sie die Motorräder erst jetzt hören.
Mick und Bibi fahren mit einem Ruck auseinander. Bibi zieht sich
hastig Jeans und Slip hoch. Mick schafft es nicht so schnell. Bibi zieht
sich den Reißverschluss zu. Dann erst betrachtet sie Mick.
Er hat noch seine Lederjacke an, denkt sie.
Die Tür geht auf. Mick macht einen Schritt in die Ecke, um sich ohne
störende Blicke die Hose zuknöpfen zu können.
Scheiße, sagt er laut.
Vergiss es, bemerkt Bibi und lächelt.
Der Boss hat einen Neuen mitgebracht. El Ringo wuchtet zwei
Bierkästen rein. Zur Feier des Tages. Spende von der Pommesbude an der Ecke, damit wir beim nächsten Mal die Theke in Ruhe lassen.
Lautes Gegröle …
Book on demand
Bücher des Verlages »Die Schatzkiste« sind elektronisch gespeichert und werden auf Bestellung gedruckt. Sie sind nie vergriffen!
Buch & medi@ GmbH/ Verlag die Schatzkiste
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Pressestimmen
»Dies ist ein illusionsloses Buch und das ist gut, nach all den romantischen Bandenlegenden und beschönigenden Randgruppengeschichten, die sich in der letzten Zeit mit dem Thema beschäftigen. (…) Er beschreibt die Verhaltensweisen, Handlungen und Riten der Rocker und ihrer Bräute mit überzeugender Lebendigkeit, macht versteckte Motivationen einsehbar und gibt auch deren übertrieben lässige, coole Sprechweise, die nur sehr schwer einzufangen ist, mit erstaunlicher Sicherheit wieder.«von Uwe Wittstock – FAZ – 22.04.1980
