Drei tolle Nullen

Die Nacht im Geisterwald

Drei tolle Nullen

»So eine Gemeinheit schreit nach Rache!« Da sind sich die »Drei tollen Nullen« sofort einig, als sie vor den Trümmern ihres verwüsteten Zeltlagers stehen. Oskar hat auch schon eine Idee: Die Nachtwanderung der Übeltäter soll der reinste Horrortrip werden – mit Brüllgeistern und Skeletten. Prompt tappen die Bandenführer in die erste Geisterfalle. Doch dann kommt Direktor Nussbaum ins Spiel …

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Chaos-Olli hockt im Schneidersitz auf einem Baumstumpf Zwischen ihren Knien jongliert sie eine Schreibmaschine. Ihr Rücken ist gerade, durchgedrückt wie bei einer Tänzerin. Mit flinken Fingern tippt sie einen Brief. Bastel-Oskar könnte sie stundenlang anstaunen, so schön ist sie. Der Wind spielt mit ihren Haaren. Für ihn ist sie das schönste Mädchen auf der ganzen Welt. Eigentlich sollte Bastel-Oskar seinem Freund Angel- Olaf helfen. Aber er schafft es nicht. Er muss immer wieder Olli ansehen. Angel-Olaf räuchert in einer Tonne frisch gefangenen Fisch. In der Nacht hatte er seine Angeln ausgelegt und reiche Beute gemacht. Drei dicke Aale, sechs Forellen, eine Schleie und ein großer Hecht. Genug für alle. Für das ganze Zeltlager. Der würzige Geruch aus dem selbstgebauten Räucherofen lockt auch die letzten Träumer aus den »Schlaftüten«. Den Ausdruck Schlafsack findet Angel- Olaf unpassend. In Säcke verpackt man Mehl oder Kohlen. Oft sogar Müll. Er wickelt sich deshalb abends lieber in eine Tüte als in einen Sack. Peter Lohmann, der Lieblingslehrer der »Drei tollen Nullen«, steht im Trainingsanzug mit zerknittertem Gesicht vor seinem Zelt und reckt sich. Wenn er so richtig gähnt, könnte man mit einem gezielten Schuss mindestens zwei gekochte Eier gleichzeitig in seinen Mund plazieren, denkt Angel-Olaf. Mit seiner Zwille ist Angel-Olaf treffsicher wie Robin Hood mit Pfeil und Bogen. Aber er würde es niemals tun, denn er mag Peter Lohmann wirklich. Welcher Lehrer würde es sonst schon auf sich nehmen, mit der schlimmsten Klasse der Graf-Bischoff-Schule ins Zeltlager zu fahren? Noch dazu allein, denn Frau Kuntze, die Geographielehrerin, würde erst in drei Tagen nachkommen, da sie aus familiären Gründen verhindert ist. Wer würde sich so tolle Spiele ausdenken? Und wer sonst kann so unverschämt lachen? Außerdem hat Angel-Olaf noch nie mit seiner Zwille auf Menschen geschossen. Er benutzt das Ding als Köderschleuder. Gestern Nacht zum Beispiel, als er mit Maiskörnern und Knoblauchteig auf Fischfang ging, schleuderte er zunächst ein paar dicke Futterknödel ins Wasser. So weit kann niemand werfen. Als sich die Fische des Teiches um seine Knoblauch knödel versammelt hatten, schoss er weitere in immer kürzeren Abständen ab. Bis sich eine Futterstraße bildete, von der Mitte des Sees hin zu seinem Angelplatz. Dann standen die Fische geradezu Schlange, um von Olaf gefangen zu werden. Jetzt stellt er sich vor, wie so einefaustdicke Ladung Knoblauchteig in Peter Lohmanns aufgesperrten Mund klatscht. Da klappen Peter Lohmanns Kiefer fest aufeinander, ganz so, als hätte er etwas gemerkt. Grinsend wendet Angel-Olaf sich wieder seinen Fischen zu. Sie müssten jetzt soweit sein. Achim eilt herein, um Olaf zu helfen. Seitdem sie hier im Zeltlager sind, hat Achim sich die Zähne nicht mehr geputzt und die Socken nicht mehr gewechselt. Er verwildert richtig. Das geht den meisten so. Sie sehen nicht mehr aus wie Schüler, sondern eher wie eine Horde Pirate, denen auf Seh die Seife ausgegangen ist, Bürsten und Kämme wurden über Bord gespült, und auch das letzte saubere Hemd fiel einer Sturmflut zum Opfer. Achim hebt mit Olaf die goldbraunen Aale aus der Tonne. Achim zwinkert Olaf zu.
»Hm, wie die duften.« Olaf zwinkert zurück. Er hat mit Achim Frieden geschlossen. Wer streiten kann, kann sich auch wieder vertragen, denkt Olaf. Er hat Achim längst verziehen. Sie sind zwar nicht gerade die besten Freunde geworden, aber es liegt den »Drei tollen Nullen« nicht, ständig nachtragend und vorwurfsvoll zu sein. Die Forellen liegen schon fertig im Gras. Das wird eine Mahlzeit! Heißer Räucherfisch zum Frühstück! …

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Buch 58