Drei tolle Nullen

Die Gespensterparty

Drei tolle Nullen

Olli ist fürchterlich aufgeregt, denn ihre Mutter hat endlich ihren großen Auftritt in dem Theaterstück »Die Gespensterparty«. Doch vor der Premiere streiken die Gespenster. Die Drei tollen Nullen springen sofort ein. Mit fliegenden Killertomaten versetzen sie das Publikum in Angst und Schrecken und zaubern noch manch andere schaurige Überraschung herbei …

1

»Meine Mutter ist keine Rabenmutter!« brüllt Chaos-Olli. »Sie ist eine großartige Mutter! Und eine tolle Schauspielerin!«
Angel-Olaf sieht, dass Olli den Tränen nahe ist. Wenn jemand, so wie Elvira gerade, etwas gegen ihre Mutter sagt, flippt Olli jedesmal fast aus.
»Ja, Magdalena Oppermann ist eine super Schauspielerin. Ich wäre froh, wenn ich so eine tolle Mutter hätte«,
sagt Angel-Olaf und merkt, wie sehr er sich vergaloppiert. Seine Mutter ist jeden Tag zu Hause, kocht das Mittagessen und bereitet das Abendbrot vor, wäscht seine Wäsche und würde am liebsten noch seine Schularbeiten machen, wenn ihr Mann ihr das nicht verboten hätte. Olli weiß, dass Olaf ihr zuliebe Mist erzählt und wirft ihm einen dankbaren Blick zu.
»Sie ist eine wunderschöne Frau. Ich hab sie schon im Theater gesehen. Wenn man sie sieht, kann man ahnen, wie Olli mal aussehen wird.«
»Ja, ich hab' sie auch gesehen. In Hänsel und Gretel. Sie hat die Hexe gespielt.«
»Und? War sie etwa nicht gut?«
»Doch sie war sehr gut. Sie hat die Rolle richtig glaubwürdig auf die Bühne gebracht.«
»Warum bist du so gemein, Elvira?« schreit Olli.
»Warum hackst du ständig auf meiner Mutter herum?«
Elvira findet ihr Verhalten jetzt selbst nicht mehr gut, aber sie schafft es nicht, sich zu entschuldigen. Vielleicht, denkt Elvira, bin ich nur sauer, weil Olli alles besser kann. Insgeheim fühlt sie sich als Chefin der Bande. Sie sorgt dafür, dass ich nicht richtig hineinkomme und ihre Zauberkunststückchen hält sie nur deshalb geheim, damit sie niemand nachmachen kann und ihr keiner die Show stiehlt. Es ist schwierig, neben ihr zu bestehen. Bestimmt mache ich deshalb ihre Mutter mies. Leider sagt Elvira dies alles nicht. Statt dessen keift sie: »Und wenn du so eine Supermutter hast, warum musst du dann bei deiner Oma leben? Warum kommt deine Mutter nie zum Elternsprechtag, sondern immer deine Oma? Und einen richtigen Vater hast du auch nicht …«
»Jetzt reicht's« funkt Bastel-Oskar dazwischen.
Wenn Chaos-Olli und Elvira sich streiten, hält er sich gerne raus. Am Ende vertragen sie sich nämlich wieder, und dann ist er schon ein paarmal der Blöde gewesen, weil er sich eingemischt hatte. So etwas wird ihm so bald nicht wieder passieren. Aber heute treibt Elvira es zu weit. Da kann nicht mal Bastel-Oskar ruhig bleiben.
»Du bist ja nur neidisch«, faucht Olli, »weil deine Oma so eine blöde Ziege ist. Bei der würde ich keine fünf Minuten wohnen wollen. Nicht mal zum Kaffeetrinken würde ich dorthin gehen!«
Olli dreht sich um und rennt weg. Oskar will hinter ihr herlaufen. Olaf bleibt bei Elvira.
»Olli! Olli! Hau doch nicht ab! Olli, warte! Sie hat es bestimmt nicht so gemeint!«
Oskar ist viel zu langsam. Olli gewinnt immer mehr Vorsprung. Jetzt kapiert er und bleibt zurück. Sie will jetzt auch ihn nicht um sich haben. Sie will alleine sein. In Wirklichkeit leidet Olli nämlich doch darunter, dass ihre Mutter nie zu Hause ist und nie Zeit hat. Nicht mal letztes Weihnachten war sie da, weil sie in einem Märchen mitspielte und die letzte Aufführung Heiligabend stattfand. Damals hatte Olli damit angegeben, dass ihre Mutter an diesem Heiligen Abend sogar zu Waisenkindern geht, um ihnen eine Freude zu machen. Das klang toll, doch Olli fühlte sich selbst als Waisenkind. Manchmal schickt Magdalena Oppermann ihrer Tochter Zeitungsausschnitte, in denen sie ihren eigenen Namen rot unterstrichen hat. Sie ist keine berühmte Schauspielerin. Wahrlich nicht. Sie ist nicht einmal an einem großen Haus beschäftigt. Sie tingelt mit anderen ebenso erfolglosen Komödianten durch die Dörfer und spielt in jeder noch so zugigen Dorfhalle. Aber irgendwann, das weiß Olli genau, wird ihre Mutter ein Star werden. Der Name »Magdalena Oppermann« wird eines Tages die Menschen in die Theater und Kinos locken, wie ein Magnet. Dann hat Olli zwar immer noch nichts von ihrer Mutter, kann aber wenigstens stolz auf sie sein. Olli weiß nicht genau, ob sie das überhaupt möchte. Sie redet sich jedenfalls ein, es könnte toll sein, eine berühmte Mutter zu haben. Ja, denkt Olli, im Grunde bist du auch eine Rabenmutter Magdalena Oppermann. Du denkst nur an dich. Aber vielleicht ist das besser so. Wer weiß, was aus mir geworden wäre, wenn du wärst wie alle anderen Mütter. Vielleicht würdest du auch an mir herumerziehen. Bei dem Gedanken muss Olli grinsen. Elvira kann nicht mal die Frisur tragen, die sie gerne möchte. Selbst da redet ihre Mutter ihr hinein. Meine Mutter, denkt Olli, weiß noch nicht mal, welchen Haarschnitt ich im Moment trage. Vielleicht kennt sie nicht mal meine Augenfarbe. Ich muss es unbedingt testen …

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