Drei tolle Nullen

Der Teufelsflitzer

Drei tolle Nullen

Bastel-Oskar hat wieder eine geniale Erfindung gemacht: ein superschnelles Rennauto. Denn ein Freund von Olli will mit diesem Teufelsflitzer an einem Speedway-Rennen teilnehmen, um seinen Erzfeind ein für alle Mal zu schlagen.
Und endlich ist es soweit: Olaf und Olli rollen die Wundermaschine zum Start. Ein hartes Rennen beginnt …

1

»Ich weiß gar nicht, was mit Olli los ist. Sie benimmt sich ganz anders als sonst. Sie will nicht einmal mehr Olli genannt werden, sondern Olivia. Ich werde aus ihr nicht mehr schlau. Sie ist völlig durchgedreht«, meckert Bastel-Oskar.
»Sie hat sich verliebt. Das ist alles!« behauptet Angel-Olaf.
Dabei sieht er seinen Freund Oskar nicht einmal an. Wenn Olaf fischt, hat er nur Augen für sein Angelgerät. Seit gut einer Stunde Versucht Olaf sein Glück. Er hat süßen Mais am Haken und hofft auf eine Forelle. Der Haken mit dem Köder liegt auf Grund. Um diese Zeit, denkt Olaf, würde ich, wenn ich eine Forelle wäre, den Boden nach Futter absuchen. Komm schon. Hol dir den Mais. Aber sein selbstgemachter Schwimmer aus Korken und Strohhalm ragt wie eine Antenne aus dem Wasser. Der Schwimmer ist so leicht, daß er die kleinste Bewegung an der Angelschnur sofort anzeigen würde. Oskar kriegt vor Schreck kaum noch Luft. Er japst richtig laut.
»Psst! Sei ruhig!« ermahnt Olaf ihn. »Du verjagst mir die Fische.« »Verliebt? Sie hat sich verliebt? Aber wir gehen doch beide mit ihr. Reicht ihr das nicht? Braucht sie drei Jungen?« ruft Oskar empört.
»Offensichtlich«, sagt Olaf.
Sein Anglerinstinkt schlägt Alarm. Manchmal spürt er einen Biss, bevor er etwas sehen kann. Da! Der Schwimmer schnellt wieder hoch und fällt um. Olaf packt die Angelrute mit beiden Händen. Sein Körper strafft sich. Er konzentriert sich ganz auf die Rute. Wenn er den Anschlag zu früh setzt, reißt er dem Fisch die Beute einfach aus dem Maul. Wenn er zu spät zieht, frisst der Fisch sich satt und verschwindet. Der Schwimmer ist umgefallen. Also hat die Forelle nach dem Köder am Boden geschnappt. Es ist noch zu Früh für den Anschlag. Erst wenn der Schwimmer untertaucht, kommt der richtige Zeitpunkt. Denn dann versucht der Fisch, mit dem Mais wegzuschwimmen.
»Wie kannst du hier so ruhig angeln, wenn unsere Freundin einen anderen hat?«
»Ja, soll ich deshalb hektischer angeln?«
Der Fisch zieht den Schwimmer nach unten. Gleich, denkt Olaf, gleich hab ich dich. Schon surrt die Schnur von der offenen Spule. Olaf lächelt.
»Sieh nur, Oskar; wieviel Leine die sich holt. Die ist groß. Mindestens zwei Kilo. Die Forelle reicht für uns zwei.«
»Bist du gar nicht eifersüchtig?«
»Nein. Ah ja, doch, schon. Aber lass mich erst die Forelle rausholen. Gib mir mal den Kescher da. Ich wette, das Biest macht Schwierigkeiten.«
Baff über so viel Angelleidenschaft klatscht Oskar sich mit der flachen Hand gegen die Stirn.
»Er ist verrückt«, sagt er zu sich selbst. »Wir lieben beide dasselbe Mädchen, statt uns um sie zu kloppen, sind wir aber Freunde. Nun hat sie sich in einen anderen verliebt, aber er fängt seelenruhig eine Forelle.«
»Und was für eine!«
Olaf legt den Bremsbügel um und setzt den Anschlag. Es klingt, als würde ein Pfeil von einem schweren Bogen abgeschossen. Sofort spannt sich die Nylonschnur und die Angelspitze krümmt sich unter dem Gewicht. Für Sekunden reißt das Anglerfieber auch Oskar aus seinen düsteren Gedanken. Er steht mit dem Kescher bereit. »Woher willst du wissen, daß es eine Forelle ist? Hier gibt es viele Karpfen. Die fressen auch gerne Mais.«
Angel-Olaf schüttelt den Kopf.
»Ein Karpfen würde versuchen, geradewegs in die Teichmitte zu entkommen. Hauptsache, weg vom Ufer. Forellen hingegen schwimmen Zick-Zack. Siehst du, wie der Schwimmer von links nach rechts saust? Das ist eine Forelle!«
Oskar nickt überzeugt. »Ja. Es ist eine Forelle … Oder ein Karpfen, der dich reinlegen will und so tut, als sei er eine Forelle …«
Olaf dreht Schnur auf. Er versucht, seine Forelle an Land zu kurbeln. Aber da taucht der Schwimmer wieder auf. Die Angelrute federt in ihren normalen Zustand zurück. Die straff gespannte Schnur erschlafft. Olaf macht ein langes Gesicht. Anglerpech. Er wickelt die Leine auf, bis er den Haken in der Hand hält. Daran hängt kein Maiskorn mehr.
Olaf läßt bedauernd die Schultern hängen. »Da hat jemand gegessen, ohne zu bezahlen«, sagt er nicht ohne Anerkennung. Er weiß, er hat es mit einem klugen Fisch zu tun. Es wird nicht leicht werden, ihn zu überlisten.
»Der ist abgehauen«, sagt Oskar. »Und wenn wir nicht schwer aufpassen, wird uns mit unserer Olli das gleiche passieren.«
Jetzt sieht Olaf seinen Freund zum ersten Mal richtig an. Er ist blass.
»Aber Olli ist doch kein Fisch!«
»Nee. Aber sie haut ab, wenn wir nicht aufpassen.«
»Hm. Das liegt alles an diesem Michael.«
»Maikel. Er heißt Maikel.«
»Nein, so heißt er nicht. So nennt er sich nur. Wahrscheinlich, weil er sich das Gesicht hat operieren lassen, so wie Michael Jackson.«
»Ich glaube, er hat das noch gar nicht gemacht. So wie der aussieht, will er das erst noch …«
Angel-Olaf spießt mit einer Ködernadel ein Dutzend Maiskörner auf und zieht sie wie eine Perlenkette auf seine Angelschnur.
»Was soll das denn werden?« staunt Oskar.
»Ein besonderes Lockangebot für die Forelle«, antwortet Olaf. »Wenn so ein Räuber erst einmal entwischt ist, muß man ihm schon etwas Außergewöhnliches bieten, damit er noch einmal an beißt.«
»Interessant, was du da sagst …« grummelt Oskar zweideutig.

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Buch 70