Drei tolle Nullen
Das Zukunftsei
Drei tolle Nullen
Bastel-Oskar hat einen Plan: Er will eine Maschine bauen, mit der man in die Zukunft sehen kann. Dass er das schafft, glaubt ihm natürlich keiner. Doch dann sind die Drei tollen Nullen baff. Denn Oskars Zukunftsei verleiht ihnen tatsächlich hellseherische Fähigkeiten …
1
»So gibt unser Sohn mein sauer verdientes Geld aus!«
brüllt Herr Schattenkirchner und zeigt auf die Werkzeugkiste. Das metallicfarbene Monstrum steht mitten im Wohnzimmer auf dem Teppich. Nachdenklich, wie ein Kommissar die Leiche, umkreist er die Werkzeugkiste. Es fehlt nur noch, daß jemand von der Spurensicherung kommt und mit Kreide einen Strich drum herum macht, denkt Bastel-Oskar. Er steht ein bißchen betreten da. Zugegeben, dieser Werkzeugkoffer war nicht gerade billig. Knapp tausend Mark. Aber ein richtiger Erfinder wie Bastel-Oskar braucht vernünftiges Werkzeug. Mutter Schattenkirchner wirkt gelassen. Im Lotussitz, die Handflächen nach oben gerichtet, entspannt sie sich im Ledersessel. Ihr Yogameister hat ihr empfohlen, in solchen Situationen ein paar Atemübungen zu machen und sich dann erst dem Problem zuzuwenden. Dummerweise schläft sie nur meist bei diesen Atemübungen ein. Wenn Herr Schattenkirchner nicht so laut brüllen würde, befände sich seine Frau schon längst im Tiefschlaf.
»Weißt du eigentlich, wieviel ich bei dieser blöden Versicherung verdiene? Die Versicherung gehört mir nicht, sie gehört den Aktionären! Ich arbeite dort nur. Weißt du eigentlich, wieviel wir für dieses Haus monatlich bezahlen?«
»Ich denke, es gehört uns?«
blafft Bastel-Oskar zurück.
»Ja. In knapp fünfunddreißig Jahren, wenn unsere Schulden bezahlt sind. Falls ich dann noch lebe …«
Herrn Schattenkirchners Halsschlagadern pochen, als könnten sie jeden Moment herausspringen. Sein ungesund rot angelaufener Kopf zeigt auch dem medizinischen Laien, daß der Mann unter zu hohem Blutdruck leidet. Oskar geht zum Schrank, holt Papis Beruhigungstabletten heraus und rührt gleich vier davon in ein Glas Wasser. Stumm hält er seinem Vater das Glas hin. Der trinkt. Dann redet Oskar beruhigend auf seinen Vater ein: »Sieh mal, Papa, das ist doch alles halb so wild. Dieses Werkzeug ist wertbeständig. Notfalls kann man es irgendwann auf dem Flohmarkt wieder verkaufen. Ich brauch' es nur, weil ich an einer neuen Maschine arbeite, und da ist das beste Werkzeug gerade gut genug. Meine Erfindung wird eine Revolution in der Wissenschaft sein. Damit werden wir reich. Ich zahl' dir dann alles auf Heller und Pfennig zurück. Ich kauf' dir das ganze Haus und …«
Der Vater wirkt schon wesentlich ruhiger. Er bemüht sich um einen verständnisvollen Tonfall.
»Woran arbeitest du denn?«
Bastel-Oskar druckst ein bißchen herum. Aber das Riesen-Metall-Ei in der Garage muß schließlich erklärt werden. »Ich … nun … ich arbeite an einer …«
