Der Meister des Universums
Angriff der Xuna
Der Retter der Welt!
Tim ist eigentlich ein ganz normaler Junge. Na gut, manchmal hat er wilde Träume, in denen er Raumschiffe durchs All steuert, aber im richtigen Leben ist er still und unauffällig. Doch plötzlich bekommt er mysteriöse Botschaften, die nur er lesen kann. Ein Unbekannter nennt ihn »Meister des Universums« und fordert ihn auf, die Welt zu retten! Will ihn da jemand ärgern oder ist die Erde wirklich in Gefahr?
1 Das fremde Raumschiff
Etwas Schreckliches bewegte sich auf die Erde zu: Xuna!
Es war alt und es war böse. Es hatte gigantische Ausmaße und war unglaublich schnell. Gegen den Kommandanten des Raumschiffs war Darth Vader eine erbärmliche Schießbudenfigur.
Allerdings war Raumschiff nicht ganz der richtige Ausdruck für das, was da aus den dunklen Weiten des Alls auf die Erde zusteuerte. Xuna hatte zwar eine Besatzung und eine irre Feuerkraft – aber es war lebendig. Eine wabernde schwarze Masse. Glibberig wie Wackelpudding und doch undurchdringlich wie gehärteter Stahl.
Tims Aufgabe war klar: »Zerstöre das Ding, bevor es uns zerstört.«
»Okay«
, sagte Tim. »Alles hört auf mein Kommando. Volle Kraft voraus!«
Tim war zehn und führte nachts oft ganze Raumflotten in die Schlacht. Es war der ewige Kampf der Guten gegen die Bösen. Es sah schlecht aus für die Guten, denn das Böse war stark. Verdammt stark. Aber zum Glück gab es da noch ihn: Tim.
In letzter Zeit hatte er diese Träume nicht nur nachts, sondern auch am hellen Tag. In der Schule zum Beispiel. Mitten im Matheunterricht flog Tim riskante Ausweichmanöver in fremden Galaxien. Von seiner Kommandobrücke aus leitete er die Schlacht gegen die Xuna. Er führte einen Flottenverband der Delfi heil durch das schwarze Loch.
Seine Leute sahen aus wie Menschen. Aber ihre Haut war hellblau. Ihre Fingerspitzen konnten sich öffnen. Dann waren es trompetenförmige Saugnäpfe, mit denen sie eine glatte Wand hochklettern konnten. Mit einem Plopp konnten sie die Saugnäpfe auch wieder verschließen und hatten so normale Finger, aber doppelt so lang wie die von Menschen.
Ihre Nasen sahen genauso aus wie ihre Finger und konnten sich ebenfalls in Saugnäpfe verwandeln.
Sie hatten dicke Kugelbäuche und waren ziemlich verfressen. Wenn sie Angst bekamen, aßen sie einen Energieriegel nach dem anderen auf. Deshalb hatte Tim während der Schlacht ständig Geschmatze um sich herum. Auch ihm boten sie ständig ihre Leckereien an, aber er konnte nichts essen, während er sich auf den Kampf konzentrierte. Er war eben anders als sie.
Im Universum seiner Träume war Tim mutig und stark. Aber im Erlebnisbad um die Ecke traute er sich nicht, vom Drei-Meter-Brett zu springen.
Für die einen war Tim ein Träumer, für die anderen ein Spinner. Für die Erwachsenen war er einfach ein schlechter Schüler. Unaufmerksam und unkonzentriert. Viele Freunde hatte er nicht. Zumindest nicht tagsüber auf der Erde.
Tim saß jetzt aufrecht im Bett und schnappte nach Luft. Er wäre in der Milchstraße gerade eben fast erstickt, weil ein Treffer die Sauerstofftanks erwischt hatte. Sein Schlafanzug war durchgeschwitzt. Seine Haare standen elektrisch ab. Sein Bettlaken war nicht nur zerwühlt, es war zerfetzt. Die Matratze darunter sah aus, als hätte ein Monster sie mit seinen Krallen eingerissen. Noch fühlte er sich, als sei das alles wirklich geschehen und nicht nur in seinen Träumen. Er brauchte manchmal eine halbe Stunde, um in die Wirklichkeit zurückzukommen.
Das flackernde Licht der Straßenlaterne schien in sein Zimmer. Die Laterne wurde von Insekten umschwärmt. Fast wütend flogen sie immer wieder gegen das Laternenglas. Tim drehte die Lampe an seiner Stirn an. Seit er nach einer Schlacht im Weltraum in seinem dunklen Zimmer hoch geschreckt war, schlief er nie ohne diese Höhlenlampe auf dem Kopf ein. Damals war im ganzen Viertel der Strom ausgefallen, und Tim war im Dunkeln gegen seinen eigenen Kleiderschrank gelaufen.
Jetzt stieg er aus dem Bett und sah sich um. Fast alle Bücher aus seinem Regal lagen im Zimmer verstreut. Hatte er das gemacht? Im Schlaf? Der Kampfroboter lag unter dem Stuhl, als hätte er versucht, sich dort zu verstecken. Der Deckel auf der Rückseite war aufgegangen. Die Kabel hingen nach draußen und die Batterien waren heraus gefallen – ganz so, als hätte eine unheimliche Macht versucht, den Spielzeugroboter zu erledigen.
Mein Gott, was mache ich im Schlaf, dachte Tim. Vielleicht sollte ich Mama bitten, mich nachts anzubinden, damit ich nicht die ganze Wohnung verwüste. Opa war auch ein Schlafwandler. Das hatte Tim bestimmt von ihm geerbt. Aber Opa rannte höchstens im Schlafanzug im Treppenhaus herum und brachte nicht die ganze Wohneinrichtung durcheinander.
Das gab bestimmt Ärger. Überhaupt roch der ganze bevorstehende Tag nach Ärger. Tim musste auf dem Schulweg an den Kuschinski-Brüdern vorbei, und die hatten ihm Prügel angedroht. Mal wieder.
Zunächst zog Tim das kaputte Bettlaken ab und stopfte es in seine Schultasche. Er würde es später entsorgen, auf dem Weg zur Schule kam er an einigen Mülltonnen vorbei. Dann bezog er das Bett frisch und räumte die Bücher ins Regal. Zum Schluss bekam der Kampfroboter seine Batterien zurück.
Tim sah auf seinen Wecker. Es war kurz vor zwei Uhr nachts. Er lauschte in die Dunkelheit. Manchmal, wenn er solche Träume hatte, schrie er so laut, dass seine Eltern aufwachten. Das war diesmal nicht geschehen. Es war still in der Wohnung. Tim drehte die Höhlenlampe aus, kuschelte sich wieder ins Bett und versuchte zu schlafen.
Irgendetwas stimmt mit mir nicht, dachte er. Dann hörte er ein Geräusch. Es knisterte unter dem Schrank. Oder hinter der Tapete? Sofort glitt Tim aus dem Bett und drehte die Höhlenlampe wieder an. Er richtete ihren Strahl genau auf den Schrank. Der Schrank war ein altes Erbstück aus Kirschholz und stand auf vier runden Beinen in der Größe von Tennisbällen. Bewegte sich da etwas in der dunklen Spalte zwischen Teppich und Schrankboden? Bestimmt hatte er sich das nicht eingebildet. Da war ein Geräusch … und eine Bewegung. Tim kroch auf allen vieren hin. Er legte seinen Kopf auf den Boden, um besser unter den Schrank gucken zu können. Der scharfe Geruch von Mamas Teppichreiniger stieg in seine Nase. Doch unter dem Schrank fand er nur eine dicke Staubschicht und die geringelte Socke, die er seit Wochen vermisste. Sie war nur etwa zwanzig Zentimeter von ihm entfernt, aber Tim traute sich nicht, unter den Schrank zu fassen und die Socke an sich zu nehmen. Er hatte das Gefühl, er würde in das Maul eines Raubtieres greifen.
Da war wieder das Geräusch! Tim sprang zurück. Es kam aus dem Inneren des Schranks. Schnell suchte Tim nach einer Waffe. Was immer auch in dem Schrank war, es hatte vermutlich keine Angst vor seinem Plastik-Lichtschwert. Auch die Wasserpistole konnte er vergessen. Auf Zehenspitzen schlich er zu seinem Schreibtisch. Wo war nur dieser blöde Hammer? Jetzt rumpelte es im Schrank. Tim zuckte zusammen. Der Hammer lag im Schoß seines Teddybären. Tim griff danach und stellte sich mit dem Rücken zur Wand neben den Schrank. Den Hammer hielt er dabei hoch, bereit sich gegen jedes Schrankmonster zu verteidigen. Langsam führte er seine Hand zur Schranktür. Fast lautlos drehte er den Schlüssel herum.
Dann riss Tim die Tür auf. Es war, als würde ihn ein kühler Luftzug aus einer tiefen Höhle anwehen. Alle Bügel baumelten leer an der Stange. Seine Hosen, T-Shirts und Pullis lagen unten auf dem Boden. Die Wäsche in den Regalen war zerknüllt. Aber kein Monster oder Außerirdischer griff ihn an. Tim ließ den Hammer sinken. Dann seufzte er, ordnete die Wäsche und hängte seine Jacken und Pullis wieder auf die Kleiderbügel. Er entschied sich, die Schranktüren offen zu lassen und legte sich ins Bett, sodass der Lichtstrahl seiner Höhlenlampe das Innere des Schrankes beleuchtete.
Aber so konnte er natürlich nicht schlafen. Inzwischen war es viertel vor drei. Tim machte den Schrank wieder zu. Es dauerte noch lange, aber dann siegte die Müdigkeit doch.
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