Buch
Adventsgeflüster und Weihnachtszauber
Lieder, Geschichten, Rätselspaß, Basteltipps und Wissenswertes über St. Martin, Nikolaus und Weihnachten
Als Lukas für seine große Schwester Tina auf dem Weihnachtsmarkt beim Würstchenverkauf einspringt, geht es lustig her.
Und auch sonst erleben die Geschwister aufregende Abenteuer in der Vorweihnachtszeit.
Mit seinem Sack voller Geschenke führt der Nikolaus selbst durch die Zeit des Lichts und der Besinnung und erzählt allerlei Wissenswertes.
Stimmungsvolle Lieder von Bettina Göschl, tolle Bastelideen, leckere Rezepte und lustige Rätsel im Wechsel mit humorvollen Geschichten von Klaus-Peter Wolf.
Das Buch zur CD »Adventsgeflüster und Weihnachtszauber« ist ein bunter Ideenschatz für eine ruhige und bewusste Vorweihnachtszeit.
Fotos
Leseprobe
Der Adventskranz sieht ein bisschen jämmerlich aus. Nur eine rote Kerze brennt. Sechs
Türchen am Adventskalender stehen offen. Julias Knie zittern. Ihr kleiner Bruder Ulf weint
schon. Er glaubt, dass vor ihm der richtige Nikolaus steht. Julia weiß genau, dass sich
Onkel Klär hinter der Nikolausmaske verbirgt. Er hasst Kinder. Das ganze Jahr über meckert
er an ihnen herum. Mal sind sie zu laut, mal zu dick, mal zu dünn, mal zu schlau und mal
zu dumm. Die meisten Kinder in der Siedlung haben Angst vor ihm und gehen ihm aus dem
Weg. Der 6. Dezember ist sein großer Tag. Dann spielt er in der ganzen Siedlung den
Nikolaus. Klär kennt die Kinder, zu denen er geht, genau. Er schreibt sich alles auf. Sein
Notizbuch nennt er »Sünderkartei«.
Das ganze Jahr über liegt er im Fenster und beobachtet die Kinder auf der Straße. Klär
weiß, wer mit dem Fußball eine Scheibe eingeschossen hat, wer auf dem Spielplatz geraucht
hat oder in eine Prügelei verwickelt war. Julia soll jetzt ein anderes Gedicht aufsagen.
Sie hat es mit »Lasst uns froh und munter sein«
versucht. Aber das gefällt Herrn Klär nicht.
Sie kann es zu gut. Er mag es lieber, wenn Kinder stottern und nicht weiterwissen. Klär
mag Kindertränen und macht Kindern gerne Angst. Julia beginnt von vorn: »Lieber guter
Nikolaus, komm herein in unser Haus …«
Klär holt einen Schokoladennikolaus aus
seinem Sack und riecht daran. »Mmmh.«
Ulf macht große Augen, als Päule Klär die
Schokolade aus dem Stanniolpapier pult.
»Nun werden wir dem Herrn mal aus dem Mantel helfen«
, sagt Klär. Dann beißt er ihm
den Kopf ab und kaut schmatzend mit offenem Mund. »Oh, dachtest du, der sei für dich?
Irrtum! So dumme Heulsusen wie du kriegen nichts von mir. Und die Geschenke für deine
Schwester nehme ich auch wieder mit. Die stottert ja bloß herum.«
Da packt Ulf den Bart vom Nikolaus und zieht daran. »Du bist gemein!«
, ruft er. »Du bist gar
nicht der richtige Nikolaus! Du bist der doofe Klär!«
Klär springt zurück. Sein Bart ist nicht angeklebt, sondern mit einem Gummiband festgemacht.
Das zieht sich lang und klatscht ihm ins Gesicht. Zornig donnert Klär: »Soso! Ihr glaubt
also nicht mehr an den Nikolaus? Ihr frechen, dummen Kinder! Was denkt ihr, warum ich
hier bin und nicht eure Eltern?«
Julia sagt: »Weil unser Papa in Amerika ist. Und Mama muss heute lange arbeiten, darum
hat sie dich engagiert. Wenn sie wüsste, wie du wirklich bist …«
Klär packt Julia und hebt sie hoch. »Oh nein! Eure Eltern sind nicht da, weil sie euch nicht
lieb haben. Kein Wunder. Wer mag schon so ungezogene Kinder?!«
Klär setzt Julia wieder ab und greift nach der Rute. Er lässt sie durch seine Finger gleiten
und grinst Ulf an. Ulf streckt ihm die Zunge raus. Dann rennt er schreiend zum Sofa und
versteckt sich dahinter.
In diesem Moment bläst ein Windstoß die einzige brennende Kerze auf dem Adventskranz
aus. Ein Fenster schlägt. Schneeflocken wehen in die Wohnung. Hier im dritten Stock parkt ein
Wagen direkt in der Luft vor dem Fenster! Der Nikolaus steigt aus und kommt ächzend in
die Wohnung.
»W… wer bist du?«
, fragt Klär.
»Das sollte ich dich fragen!«
, antwortet der Nikolaus. »Wer bist du, dass du es wagst,
in meinem Namen den Kindern Angst zu machen?«
Julia wird schwindelig. Sie fragt sich, ob sie träumt.
Plötzlich steht Ulf neben ihr und nimmt ihre Hand. »Das ist der Echte! Der richtige Nikolaus
ist gekommen!«
Klär geht rückwärts. Er stolpert über einen Sessel. »H… Ha… Hauen Sie ab!«
, stottert er.
»Sie haben hier nichts zu suchen. Ich mache das hier in der Siedlung seit Jahren!«
»Ja, das weiß ich. Aber du machst es schlecht. Sehr schlecht! Der richtige Nikolaus isst den
Kindern nicht die Schokolade weg! Er droht auch nicht mit der Rute. Er ist ihr
Freund und Beschützer.«
»Ja, genau!«
, schreit Ulf begeistert. »Der richtige Nikolaus ist nicht doof und gemein!«
Klär erhebt sich mühsam aus dem Sessel. »Ich bin der richtige Nikolaus«
, behauptet er.
»Sie sind ein Einbrecher. Ich könnte die Polizei rufen!«
Der Nikolaus sagt dazu nichts. Er beugt sich zu Ulf und deutet auf seinen Bart: »Willst du
mal ziehen? Der ist echt.«
Ulf probiert es sofort aus. Dann strahlt er Julia an: »Der ist wirklich echt!«
Der Nikolaus lächelt. Er streichelt Ulf über den Kopf. »Hilf mir mal, die Geschenke aus dem
Auto zu holen.«
Der Wagen schwebt immer noch ruhig in der Luft vor dem Fenster. Während Ulf, Julia und
der Nikolaus die Geschenke aus dem Wagen holen, zieht Klär sein Handy. Er fragt sich, ob
er die Polizei rufen soll oder lieber einen Krankenwagen. Mit mir stimmt etwas nicht,
denkt er. Ich sehe ein Auto in der Luft schweben. Wenn ich nicht völlig verrückt bin, dann
steht da der echte Nikolaus.
»Dir habe ich auch etwas mitgebracht«
, sagt der Nikolaus und zeigt auf Klär.
Der fühlt sich plötzlich winzig klein. »Was denn?«
, fragt er ängstlich.
Der Nikolaus reicht ihm ein Päckchen. Es ist so klein, dass nicht mal eine Tafel Schokolade
rein passt. Klär wagt nicht, es anzunehmen.
Der Nikolaus sagt: »Da sind die Träume deiner Kindheit drin.«
Klär zuckt zurück. Ulf und Julia lassen ihre Geschenke liegen.
Sie sehen gespannt auf Klär und den Nikolaus.
»Meine Träume?«
, fragt Klär.
»Ja! Als du noch ein netter Kerl werden wolltest. Tierarzt oder Rettungsschwimmer. Damals
hattest du es nicht nötig, Kindern den Spaß zu verderben. Da wolltest du selber Spaß haben.«
Klär traut sich immer noch nicht, seine Kindheitsträume anzufassen. Seine Augen füllen
sich mit Tränen. »Ja«
, sagt er, »es stimmt. Ich war auch mal ein Kind. Ich wollte wirklich
Tierarzt werden. Aber der Nikolaus ist nie zu mir gekommen.«
»Bist du deshalb so gemein geworden?«
, fragt Julia.
Klär beißt auf seine Unterlippe. Er antwortet nicht. Langsam nähert sich seine Hand dem
Geschenk. Kurz bevor seine Fingerspitzen es berühren, schreckt er zurück. »Ich … ich trau
mich nicht«
, sagt er.
Ulf tritt mutig vor. »Soll ich es mit dir aufmachen?«
, fragt er.
Ungläubig schaut Päule Klär ihn an: »Das würdest du tun?«
Ulf nickt. Julia zögert kurz. Dann nickt sie auch.
Erleichtert sagt der Nikolaus: »Na, dann kann ich ja weiterziehen. Niemand wollte als Kind
böse, dumm oder gemein werden. Wenn wir uns daran erinnern, wie wir werden wollten,
als wir klein waren, dann wird alles gut.«
Während Ulf, Julia und Päule Klär die Kindheitsträume auspacken, steigt der Nikolaus in
sein Auto und verschwindet, als sei er nie da gewesen.
Kritiken
Mit Liedern, Geschichten, Rätseln und Basteltipps führt der Titel durch die Zeit vom St.-Martins-Tag bis zum Heiligen Abend. BuchMarkt


