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HÖRZU Hörbuchtest von Dr. Ulrike Bischof (IfaK)
Nicht alle Schriftsteller können ihre Figuren selbst so hervorragend zum Leben erwecken wie Cornelia Funke, Paul Maar und Klaus-Peter Wolf.
Felix und die Kunst des Lügens bekommt höchste Noten! Komisch, klug und messerscharf. …
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Vollständige Rezension zu »Felix und die Kunst des Lügens – Wie man es allen recht macht und trotzdem tut, was man will«
In der Schule lernt man echt nur Mist, völlig unnötiges Zeug!
Was man wirklich braucht im Leben, bringt einem da keiner bei. Gut lügen zum Beispiel.
Gut lügen ist unheimlich schwer, eine richtige Kunst ist das.
»Nichts für Blödis!« so das Urteil von Felix, der über eine ganze Skala von Ratschlägen über gelungenes, nützliches Lügen gebietet.
Erstens muß man wissen, wann eine Lüge besser ist als die Wahrheit.
Im Friseurgeschäft von Felix' Mutter saß neulich eine Kundin, deutlich jünger als sie, mit langen blonden Haaren.
Felix, der nur kurz durch den Laden huschen wollte, wird festgehalten und der Dame vorgestellt.
Eine peinliche Situation; Felix fragt sich: »Hätte ich jetzt sagen sollen: »Wir kennen uns Mama.
Gestern Morgen hat Frau Sommer noch mit Papa gefrühstückt. Sie hat das Oberteil von seinem Schlafanzug angehabt, er die Hose...
Weißt du, der Schlafanzug, den du Papa zu Weihnachten geschenkt hast....«
. Ja, das wäre die Wahrheit gewesen.
Aber ich erkannte glasklar: jetzt ist eine Lüge für alle Beteiligten besser...«
Zweitens muß man wissen, was die anderen hören wollen. Denn eine gute Lüge ist der Versuch, den anderen genau das zu erzählen, was sie hören möchten. Felix erweist sich in der bekannten und bei Jugendlichen beliebten Reihe (Buchausgaben bei Ueberreuter) von Klaus-Peter Wolf als Meister gekonnten Lügens, der z.B. die Wirkung von Komplimenten und Ausreden im Dienste eines erträglicheren Miteinanders einzusetzen gelernt hat. Er ist ein pfiffiger Jugendlicher, der mit Witz und Grips die Lüge zu seiner Profession gemacht hat. Allerdings verläuft sein Leben auch in reichlich chaotischen Bahnen, so dass ein kleiner Schwindel oder auch ein großer Bluff ihm hier und da als einziger Ausweg scheinen. Felix muss mit seinen geschiedenen Eltern klarkommen. Er lebt die eine Monatshälfte in »Papas überdachter Müllhalde«, die andere in »Mamas keimfreier Puppenstube«. Obwohl er weiß, dass er für die Eltern der einzige Grund ist, überhaupt noch miteinander zu kommunizieren, wünscht er nichts sehnlicher, als dieses so gegensätzliche Paar wieder zusammenzubringen. Vor allem jedoch versucht er, seinem ausgeflippten, ständig unter Geldmangel leidenden Musikervater, der stets mehrere Freundinnen gleichzeitig hat, zu helfen, wobei er selbst in ebenso verwickelte wie überraschende Situationen gerät.
Obwohl das Thema »Scheidung« und die häufig damit verbundene Verlegenheit der Eltern im Umgang mit ihren Kindern ein weit verbreiteter Stoff sind, nähern Autoren sich ihm nur selten in unterhaltsamer Weise. Klaus-Peter Wolf balanciert in seiner Lesung der Geschichten von Felix zwischen spitzbübischem Humor und Ernst.
Schonungslos, pädagogisch unbekümmert lässt der Autor seinen jugendlichen Erzähler auf die Welt der Erwachsenen blicken (»Meine Mama lügt viel, wie alle Erwachsenen...«), in der Ihm gelingen soll, was diese nicht vermögen, das Unversönliche und Inkomensurable in Einklang zu bringen. Gewitzt werden Felix' Vermittlungsversuche und die Schwächen der Erwachsenen aus der Perspektive des Jugendlichen geschildert. Wolf vermag, Gefühle, die Kinder und Jugendliche in einer solchen Situation des Dazwischenstehens empfinden, lustvoll und wirklichkeitsnah zu beschreiben. Sein erfrischend schelmischer Humor mag Jugendlichen, die sich in ähnlich verzwickten Lagen befinden, helfen, ihre Schwierigkeiten mit mehr Distanz zu betrachten und sich in ihnen leichter zurechtzufinden. Sie werden zumeist bemerken, dass es nicht einfach ums Lügen geht, sondern um das Meistern sie belastender Lebenslagen. Als weniger witzig oder gar geschmacklos, wenngleich nachvollziehbar, müssen die Auswirkungen von Felix' Lügen- und Manipulationskünsten gelten, sobald er seine Position des Mittlers im Beziehungsgefüge der Erwachsenen verläßt und sie einsetzt, um realer »Meister« und Guru unter Gleichaltrigen zu werden.
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Ungeachtet dieser Einschränkung: die verschmitzte und pointierte Lesung des Autors macht den Text zu einem erstklassigen Hörvergnügen.
Das sich zudem fortsetzen lässt, wenn die vom JUMBO Verlag angekündigte Folgeproduktion erschienen sein wird. (Rezension: Ulrike Bischof)
Empfohlenes Alter: 7-9 Jahre



